Auch im Musikleben schreitet die Globalisierung unaufhaltsam voran: Innerhalb weniger Tage waren in Wien das Cleveland Orchestra, das Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino und das Philharmonia Orchestra aus London zu Gast. Im Musikverein führte jetzt Zubin Mehta sein italienisches Spitzenorchester mit zwei Konzerten zum Triumph: Franz Liszt und Richard Strauss hatten den Auftakt gebildet; am zweiten Abend ergänzten einander je ein Schlüsselwerk der Klassik und der Moderne zu einem spannenden Programm.

Zwischen 1950 und 1954 schrieb Witold Lutosławski sein effektvolles "Konzert für Orchester", das durch seinen Titel sowie folkloristische Grundlagen auf Béla Bartók verweist, jedoch durch komplizierte Rhythmik und eine die Atonalität streifende Harmonik weit darüber hinausgeht. Mit souveräner Sicherheit steuert der Dirigent sein Orchester durch alle Fährnisse der schwierigen Partitur und erkämpfte ihr einen durchschlagenden Erfolg.

Brillante Zugaben

Nach der Pause, bei Beethovens "Eroica", konnte und wollte Mehta dann seine Wiener Lehrzeit nicht verleugnen. Da klang nicht nur das Orchester geradezu wienerisch; in unaufgeregt gewählten Tempi ließ er die Musik frei atmen, wobei nur der zweite Satz vom Trauermarsch zur schmerzerfüllten Elegie mutierte. Mit zwei brillant musizierten Zugaben - dem Intermezzo aus "Cavalleria rusticana" und Verdis Ouvertüre zur "Macht des Schicksals" - dankten die Gäste der Begeisterung im Goldenen Saal.