Im bisherigen Programm der diesjährigen Wien-Modern-Ausgabe lässt sich ein auffälliger Mut zum Monumentalen konstatieren: Nach Cerhas "Spiegeln" und zwei Bernhard-Lang-Kompositionen, die dem Namen ihres Schöpfers alle Ehre machten, stand mit Wolfgang Mitterers "free radio" nun das vierte abendfüllende Stück auf dem Programm.

Monumental ist diese Komposition nicht nur in zeitlicher Hinsicht, lässt Mitterer darin doch die Konzerthaus-Orgel auf elektronische Sounds treffen, gegen die sich der Klang des 116-stimmigen Riesen-Instruments geradezu sanft ausnimmt. Virtuos konfrontiert der Komponist und Performer in Personalunion Sakral-Aura mit Noise-Ästhetik, energiegeladene Improvisation mit gesampleten Comic- und Porno-Sounds.

Erfischende Unberechenbarkeit

Dieser respektlose Zugriff generiert bisweilen explosive Mischungen von erfrischender Unberechenbarkeit. Doch stößt der Abwechslungsreichtum, der aus der Montage heterogenen Materials erwächst, irgendwann an seine Grenze - was zu dem Problem führt, wie sich über eine Stunde ein dramaturgischer Bogen spannen lässt, ohne auf großformale Zusammenhänge zurückzugreifen. Und der wiederholte Einsatz bruitistischer Schock-Effekte, der die Trommelfelle der Anwesenden auf eine harte Probe stellte, warf die Frage auf, welche Bürger denn hier noch geschreckt werden sollten.

Immerhin brachten der letzte Abschnitt und - mehr noch - die Zugabe wiederum die Qualitäten einer Musik zum Vorschein, die entscheidend von der anarchischen Spielfreude ihres Autors geprägt ist. Dessen Fans verhalfen ihrer Anerkennung denn auch mit Konzerthaus-untypischem Jubel-Pfeifen zum Ausdruck.