Jö schau, der Luisi ist wieder da. Nach dem Dresdner Intermezzo und vor der nächsten Station Zürich ist Fabio Luisi, seines Zeichens umtriebiger Genueser Dirigent mit der Lizenz zum Reisen, an der New Yorker Met engagiert. Da bleibt nur wenig Zeit für seine Wiener Symphoniker.

Umso schöner, die Damen und Herren mit ihrem Chef in bester Verfassung zu erleben. So blieb im Goldenen Musikvereinssaal mit Franz Liszt, Johannes Brahms und Richard Strauss kein Auge trocken. Liszts zweites Virtuosenkonzert in A-Dur wurde dank der Mitarbeit von Jean-Yves Thibaudet, Verfechter des neudeutschen Romantikers, zum kernigen Klangerlebnis. Der französische Pianist griff mit lässig souveräner Art und seinem bekannt geschmackvollen Anschlag durch. Höhepunkt war hier das innige Adagio-Duett zwischen Klavier und Solo-Cello.

Auch Strauss’ früher "Don Juan" lebte (im Gegensatz zu Dudamels jüngst philharmonischem Energieschwall) nicht nur von Lautmalerei im dynamischen Sinn. Maestro Luisi ließ das Ensemble die delikaten Intermezzi und Pausen voll ausleben. Mit geballter Stringenz zog er jeden nur möglichen Melos aus den Musikern. Ein Konzept, das sich ebenfalls in der zweiten Symphonie von Doktor Brahms bewähren sollte: Schon das Eröffnungsallegro führte von der verhaltenen Introduktion zu dem pastoralen, luftigen Wechselspiel zwischen Bläsern und Streichern.

Ja, das Orchester genoss sichtlich und hörbar die bekannt ausladenden, jedenfalls präzisen Anordnungen vom Dirigentenpult aus. Berechtigte Bravorufe.