Wenn knapp vor der Hauptprobe der Startenor absagt und bei der Aufführung dennoch nicht abgeht, kann man schon von einem kleinen Weihnachtswunder sprechen: Wegen einer Erkrankung führte nicht Ramón Vargas die hochkarätige Solistenriege bei der heurigen "Christmas in Vienna"-Gala im Wiener Konzerthaus an. Stattdessen sorgte Edel-Einspringer Herbert Lippert an der Seite von Angela Denoke, Liliana Nikiteanu und Paul Edelmann dafür, dass sich keine spürbare musikalische Lücke auftat.

Hits der Klassik, Romantik und der gängigen Weihnachtsliteratur fügten sich zu einem stimmigen Programm auf hohem Niveau. Für Gänsehaut im positivsten Sinn sorgte nicht nur Denoke mit "Der Engel" aus Richard Wagners Wesendonck-Liedern, sondern auch Johann Ritter von Herbecks "Pueri Concinite": Dirigent Sascha Goetzel ließ hier gekonnt die Stimmen der Sängerknaben St. Florian (Solist: Alois Mühlbacher) und der Wiener Singakademie mit dem Klang des ORF Radio-Symphonieorchesters ineinanderfließen. Lahm wirkte hingegen Felix Mendelssohn Bartholdys "Ich harrete des Herrn" - ganz im Gegenteil zu übertriebenen Freiheiten in Tempo und Artikulation bei Anton Bruckners "Locus iste". Hörbar überfordert mit dem abverlangten Tempo waren die Sängerknaben bei Benjamin Brittens "This little babe".

Immer eine Gratwanderung sind Volksliedbearbeitungen: Während jene von "Still, still, still" und "Es wird scho glei dumpa" gekünstelt wirkten, fügte sich "Leise rieselt der Schnee" ganz natürlich ins musikalische Gesamtbild.