Ein Ehepaar empfängt einen Gast zum Abendessen. Dieser gerät zwischen die Fronten eines Beziehungskonflikts, der mit einer Schussverletzung des Gastes und der Zerstörung des ehelichen Hausstands endet. Was wie der Plot eines Films von Claude Chabrol klingt, ist tatsächlich Stoff einer Opéra bouffe (2010) von Georges Aperghis, die das Klangforum im Theater an der Wien konzertant zur Aufführung brachte. Der Einakter beruht auf einer Komödie von Georges Courtelines, die übrigens mit Louis de Funès verfilmt wurde - keine quasi-soziologische Versuchsanordnung, sondern ein Lustspiel, das die Grausamkeiten des Alltags genüsslich auf die Spitze treibt.

Aperghis, wie kein zweiter Komponist besessen von den musikalischen Eigenschaften von Sprache, lässt die Instrumente bereits vor Beginn der Handlung gehetzte, plötzlich abreißende Tonfolgen intonieren, ähnlich der hektischen Rede von jemandem, der nicht zu Atem kommt. Ebenso wenig tun dies die handelnden Personen, deren Dialog mehr und mehr ins Absurde kippt, um schließlich - jeglichen Sinns entkleidet - rein musikalische Muster zu erzeugen.

Lionel Peintre verlieh dem Eindringling Des Rilettes, dem vom Gastgeber Boulingrin (aggressiv: Vincent Bouchot) zunehmend die Hölle heißgemacht wird, den Charakter entrüsteter Wohlanständigkeit. Edwige Bourdys etwas stimmschwache Madame Boulingrin wurde vom phänomenal piepsigen Dienstmädchen der versierten Aperghis-Interpretin Donatienne Michel-Dansac überragt. Das Klangforum unter Emilio Pomárico realisierte die rastlose Partitur mit frenetischer Energie.