Einst war die 1956 gegründete Academy of St Martin in the Fields ein Kammerorchester von faszinierender Geschmeidigkeit und Eleganz des Spiels; heute präsentiert sie sich als großes Symphonieorchester von gewaltigem Tonvolumen. Zu erleben war das im Musikverein am ersten von zwei Abenden unter Sir Neville Marriner, ihrem Gründer und Präsidenten auf Lebenszeit.

Niemals würde man das wahre Alter dieses Doyens unter den Dirigenten erraten. Von jugendlichem Feuer ist sein Zugriff, beispielhaft die makellose Präzision des Zusammenspiels, das er dem Orchester mit knappsten Gesten abfordert. Davon profitierte Mendelssohns "Schottische Symphonie" am meisten; ihre düster verhangene Schwermut, ihre tänzerische Vitalität und ihren triumphalen Abschluss brachte Marriner zu überzeugender Geltung.

Knalliger Beginn

Franz von Suppés Ouvertüre zu "Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien" zu Beginn war ein wenig knallig dahergekommen - wie denn überhaupt die weltberühmte Akustik des Goldenen Saals auf überlebensgroße Dynamik verzichten könnte.

Im Mittelteil des Abends spielte dann Nikolaj Znaider Beethovens Violinkonzert ganz im Sinn der romantischen Tradition: mit großen Tempomodifikationen, dazu manch überraschende Pianostrecke. Ansonsten konzentrierte er sich mehr auf den strahlenden Ton seiner prachtvollen Guarneri denn auf akkurate Intonation des Passagenwerks. In vollendeter Ausgewogenheit gelang ihm jedoch eine Bach’sche Sarabande als Zugabe.