Um das Schaffen von Carl Orff ist es heute merkwürdig still geworden: Vorbei die Zeiten, in denen man ihn "geradezu als Erneuerer des musikalischen Theaters" pries. Einzig seine "Carmina burana", 1937 das große Werk des Durchbruchs, erfreuen sich nach wie vor hoher Popularität. Das bestätigt sich derzeit in Wien auf zweifache Weise: Die Volksoper spielt das - ursprünglich für die Bühne konzipierte - Werk als Ballett. Und im Musikverein führte es jetzt Rafael Frühbeck de Burgos in konzertanter Gestalt zum Erfolg.

Wuchtig baute der Dirigent die monumentalen Rahmenteile des "O Fortuna!" auf; effektvoll kontrastierte er die präzise hämmernden Ostinati mit den lyrischen Abschnitten und deren klangzarter Umkleidung. Singverein und Sängerknaben entledigten sich ihrer Aufgaben mit viel Einsatzfreude; die Wiener Symphoniker boten dazu die sichere Basis.

Unter den Solisten reüssierte Olesya Golovneva nach vibratoreicher Tiefe mit den leuchtend aufstrahlenden Himmelsflügen ihres Soprans. Substanzreich klagte der Countertenor von Matthias Rexroth als gebratener Schwan. Und Adrian Eröd lotete in den kraftbetonten Passagen die Grenzen seines schlanken Baritons aus; ideal gelangen ihm sowohl die Melismen im Falsett wie auch die tragfähige Tiefe.

Vorangegangen war dieser begeistert akklamierten Wiedergabe eine recht handfest musizierte "Militär"-Symphonie Nr. 100 von Joseph Haydn.