Annette Dasch als Zeremonienmeisterin.
Annette Dasch als Zeremonienmeisterin.

Wien. Es gibt eine Sache, die sich empfiehlt, wenn man in "Annettes Daschsalon" geht. Und das sind Kaisers Brustkaramellen. Also, zum Beispiel. Ricola Kräuterbonbons gingen auch. Ein geöltes Stimmband sollte man schon mitbringen, denn bei der Aufzeichnung der 3sat-Sendung wird das Publikum gnadenlos eingebunden. Am Sonntag wurde die Mischung aus Liederabend und Talkshow, die die Sopranistin Annette Dasch moderiert, erstmals in Wien aufgezeichnet. Normalerweise hat der Salon seinen Stammsitz in Berlin. Dort passt die Ausstattung mit dem Flohmarkt-Lampenschirm und der Shabby-Chic-Sitzgarnitur perfekt. Aber sie macht sich auch vor dem Ziegelgewölbe des Odeontheaters ausgezeichnet.

Pflück mich!


Dasch gibt gleich mit ihrem Auftreten die lässige Tonart dieses Abends vor. Sie singt "Das Veilchen" von Mozart und Goethe und fragt dann ungeniert: "Wann wollten Sie das letzte Mal gepflückt werden? Wann wurden Sie das letzte Mal von einer Schäferin plattgemacht?" Gedichtinterpretation einmal anders. Das Thema dieser Sendung wird also "Begegnungen" sein (frühere Leitmotive des Salons waren schon "Kindheit", "Verbrechen" oder "Heimat"). Und weil das Ganze praxisbezogen sein soll, ordnet Dasch an, dass nun jeder im Publikum dem die Hand schütteln solle, mit dem er nicht gekommen ist.

Im Folgenden kommt Dasch ein wenig die Souveränität über die Sendung abhanden - nicht das einzige Mal, dass man sich denkt: Da wird ein Cutter noch gut zu tun haben.

Nachdem noch ein Kanon vom Publikum gesungen wird ("Da trennen wir die Gruppen hier, zwischen Glitzerpulli und Karo"), wird Gast Nummer eins empfangen. Tenor Michael Schade singt und bringt ein Gastgeschenk. Nicht ohne damit geschickt darauf hinzuweisen, dass Annette Dasch vor zweieinhalb Monaten ein Baby bekommen hat - und er überhaupt acht Kinder hat.

Gast Nummer zwei ist Schauspielerin Katharina Straßer - eine gewagte Wahl für ein deutsches TV-Publikum, weil nicht direkt überregional bekannt. Sie hat sich geweigert, zu singen, zieht sich aber mit zwei Gedichten trefflich aus der Affäre. Danach beweist sie, dass auch renommierte Schauspieler nicht vor dem Groupie-Gen gefeit sein müssen: Straßer hat kürzlich Hollywoodschauspieler Geoffrey Rush getroffen: "Oida, da Geoffrey!"

Nach neuerlichem Publikumseinsatz (Schnipsen, größere Herausforderung, als man gemeinhin denkt) kommt noch Josef Hader. Er gibt sich selbstbewusst atonal und sagt dann, er würde gern Beethoven treffen, weil er schon immer wissen wollte, wie einer ist, "der sich nichts scheißt". "Grantig", meinte Michael Schade. Der sang zum Abschluss sehr berührend Schumanns "Mondnacht".

Lyrik und Klassik im Fernsehen und es macht auch noch Spaß - sympathischer kann man dem Bildungsauftrag wohl kaum nachkommen. Mehr davon bitte. Ein paar Brustkaramellen sind eh noch übrig.

Auf 3sat, 28. April, 22.10 Uhr