Wien.(irr) Zwar sei es "arithmetisch schwer zu erklären", dass die Gesellschaft der Musikfreunde ihr 200-Jahr-Jubiläum zwei Saisonen lang feiert. Intendant Thomas Angyan feiert trotzdem. In der Spielzeit 2012/13 sogar mit besserem Grund: Ragt die aktuelle Saison nur zur Hälfte ins Jubeljahr, fällt der Geburtstag in die nächste.

Dieser Termin - ein Konzert in der Winterreitschule, das eigentlich nur den Anstoß zur Gründung gab - wird ins Gedächtnis gerufen: Nikolaus Harnoncourt dirigiert am 28. November mit einem auf 16 Erste Geigen "aufgeblasenen" Concentus Musicus (1812 waren es noch mehr) das Händel-Werk "Timotheus". Starten wird die Saison am 9. September mit einem Tag der offenen Tür: Diverse Veranstaltungen erinnern daran, dass die Musikfreunde anfangs Amateure im besten Sinn waren.

Wie die aktuelle wird aber auch die nächste Saison mit Stars prunken: Fünf Mal, beginnend mit September, gastiert Pultstar Claudio Abbado; ebenso oft wird Mariss Jansons dirigieren: Der bald 70-jährige Lette leitet die Wiener Philharmoniker, das Concertgebouworchester und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Und Christian Thielemann feiert mit der Staatskapelle Dresden das Wagner-Jahr 2013. Ganze 22 ausländische Orchester gastieren - laut Angyan bringe das zwar Defizite, aber Lorbeeren für das Haus. Verdienste erwirbt man sich auch als Musikauftraggeber: Die Bayern bringen im Herbst ein Doppelkonzert von Krzysztof Penderecki, das Pittsburgh Symphony Orchestra hebt ein Violinkonzert von Herbert Willi aus der Taufe, und gleich zwei neue Werke liefert Thomas Daniel Schlee. Fast eine Selbstverständlichkeit: Die Liste der Solisten ist, von Anne-Sophie Mutter, Renaud Capuçon und Maurizio Pollini bis zu Nikolaj Znaider, wieder so lang wie glamourös.