Bereits dreimal war Andrís Nelsons in dieser Spielzeit im Musikverein zu Gast gewesen - nämlich mit dem Royal Concertgebouw Orchestra, den Wiener Symphonikern und dem City of Birmingham Orchestra, als dessen Chefdirigent der Lette seit 2008 fungiert. Am Sonntag präsentierte sich der 1978 geborene Dirigent nun mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem - wie auch dem Concertgebouw Orchestra - Nelsons’ Lehrer Mariss Jansons als Chef vorsteht.

Filigran modellierte Linien


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Andrís Nelsons
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Mit Bartóks Konzert für Orchester stand ein Werk auf dem Programm, in dem die Stärken der Bayern - namentlich die vielgerühmte Qualität ihrer Bläser - eindrucksvoll zur Geltung kamen. Auch wenn die spontane Musizierfreude ein wenig auf der Strecke blieb, überzeugte Nelsons mit filigran modellierten Linien und mustergültiger Präzision, ohne der Komposition ihre an Derbheit grenzende folkloristische Note zu nehmen.

Die Reaktionsschnelligkeit und Flexibilität des Orchesters machten sich auch in Beethovens Fünftem Klavierkonzert bezahlt, das vor der Pause geboten wurde: Elastisch schwingend musizierten die Streicher das Hauptthema des ersten Satzes, von ausladenden Gesten des Dirigenten zu sattem Forte animiert, das jedoch nie in falsches Pathos ausartete. Akkurat und ausgewogen agierte auch Solistin Hélène Grimaud, die den einen oder anderen verhuschten Lauf im dritten Satz mit einer fulminant dargebotenen Schlusssequenz mehr als wettmachte, die zu unverzüglichen Beifallskundgebungen den Auftakt bildete.