Nur beim gemeinsamen Komponieren unromantisch: Andreas Schett und Markus Kraler, die

notensetzenden Masterminds der Osttiroler Musicbanda Franui.
Nur beim gemeinsamen Komponieren unromantisch: Andreas Schett und Markus Kraler, die
notensetzenden Masterminds der Osttiroler Musicbanda Franui.

Wien. "Schau, die Blumen." Andreas Schett, gebürtiger Osttiroler und schnurstracks per Du, zeigt zum Fenster. Blüten lugen aus einer Vase, rosa und lila. "Die hamma vom Librettisten geschenkt ’kriegt", sagt er stolz. Was das für Blumen sind? Schett: "Schöne."

Das mangelnde Wissen ist entschuldbar. Blumen, sagt Schett, habe er nämlich "noch nit bekommen". Sie sind nun Vorschusslorbeeren für ein Großprojekt: In ihrem Erdgeschoßbüro arbeiten Schett und Markus Kraler, die beiden Komponisten des Ensembles Franui, derzeit nämlich "jeden Tag wie in einem Bergwerk". Das Osttiroler Ensemble, berüchtigt für kreative Grenzgänge zwischen Volks- und Kunstmusik, stellt seine Hybridenergie in den Dienst eines neuen Musiktheaterwerks für die Salzburger Festspiele. "Meine Biene - eine Schneise" heißt es, der Text stammt von Händl Klaus. Ebenso wie die Blumenspende, nachdem der Autor erste Hörproben erhalten hatte.

Kanonenschuss verhallt


Zwar ist die Uraufführung erst Ende August. Für den Probenbeginn muss sich das Duo trotzdem sputen. Wobei die Franui-Musik nicht nur über weite Strecken des Dramas erklingt. Sie will auch dessen "Schrittmacher" sein. Die Herausforderung: Wie lassen sich Theater und Tonkunst fein verzahnen? Mit Signalen an die Schauspieler kaum. Schett: "Einfache Zeichen, die unter Musikern logisch sind, funktionieren nicht." Ja, selbst ein Kanonenschuss würde ungehört verhallen. Weil Schauspieler ein unaufmerksames Völkchen sind? Nein, weil sie dermaßen in ihrer Rolle aufgingen, sagt Schett. Darum würde nun Franui festlegen, wie die Textlinien verlaufen.

Hinter solchen Grübeleien steckt freilich schon einige Erfahrung. Und eigentlich fand ja schon die Franui-Geburtsstunde nah am Drama statt. In den 90ern war das: Da hatte Schett in Innervillgraten die Idee, einen Andreas-Hofer-Stummfilm live zu begleiten - als Kontrapunkt zum Bezirksschützenfest am Tag davor. Fünf Jahre werkte Franui dann als Haus- und Hofkapelle von Schetts "Kulturwiese" - einem Festival, das nicht Provokation, wohl aber kreative, zeitgenössische Auseinandersetzungen mit örtlichem Geschehen sein sollte. Das Ende kam trotzdem fatal: Das Festivalzentrum wurde ein Raub der Flammen. Laut Schett Brandstiftung. Danach habe man die lokalen Autoritäten zwar um Hilfe gebeten. "Doch die haben gesagt: Wir haben auch Häuser.‘ Ein starkes Argument!"