Manches Mal sind es gerade die kurzfristigen Einspringer, die den Erfolg eines Abends optimieren - so gehört beim achten Konzert des diesjährigen Symphoniker-Zyklus im Wiener Konzerthaus. Allerkürzestfristig eilte der israelische Dirigent Eliahu Inbal zur Hilfe und machte das Ensemble zu dem, wofür es berühmt ist: Bruckner-Interpreten mit viel Elan und Mozart-Kenner mit frischem Wind.

Zugegebenermaßen sollte man bei fachgemäßer Behandlung des C-Dur-Klavierkonzerts KV 467 wenig falsch machen. Wobei gerade Simone Dinnersteins durchwegs angelsächsisch-romantischer Zugang zur Wiener Klassik einiges an Konfliktpotenzial bot. Gerade diese beiden Gegenpole machten den Dialog so interessant. Die bezaubernden, technisch versierten Monologe der Solistin, die bisweilen schon Spieldosenperfektion hatten, inspirierten die Wiener Symphoniker zu präzisen Antworten. Dank Inbals exakten Vorgaben lagen nirgends am Weg Stolpersteine. Ganz besonders: Richtig rockig gelang das finale Allegro vivace mit unglaublichen Synkopen.

Bruckners Fünfte war dementsprechend ernster, nein, sie gelang als richtiger Tempel der holden Kunst. Die Damen und Herren Symphoniker lebten sich im opulenten Wiener Klang aus (Bravo an die Bleche!). Hier die flirrenden Streicher zur Eröffnung, da der drängende Appell im Scherzo, zum Finale eine Apotheose auf Anton Bruckners Kontrapunktik - und über allem die Gewissheit, dass an diesem Abend eine der wirklich komplexen Partituren der Musikgeschichte denkbar verständlich präsentiert wurde.

Konzert
Wiener Symphoniker
Wiener Konzerthaus