Wien. Manche Dirigenten wedeln mit ihrem Taktstock wild durch die Lüfte, andere reduzieren sich auf sanfte Gesten und Blicke. Für Laien ist es fast undurchschaubar, wie erfahrene Dirigenten die Qualität der Orchester-Darbietungen beeinflussen können. Das Geheimnis liegt in der nonverbalen Kommunikation.

Je besser diese zwischen dem Orchesterleiter und den Musikern stattfindet, umso qualitätsvoller ist der Klang eines Stückes, wie Forscher um Alessandro D’Ausilio vom Italienischen Institut für Technologie in Genua in einem Experiment nachvollzogen haben.

Unter wechselnder Leitung zweier Dirigenten spielten acht Geiger bekannte Stücke von Mozart. Mit Infrarot-Sensoren auf den Bögen und dem Taktstock wurden die Bewegungen der Dirigenten und der Musiker aufgezeichnet. Mittels eines speziellen Tests wurde der Einfluss der Orchesterchefs auf die Musiker sowie die motorische interne Abstimmung des Ensembles erhoben. Experten wiederum bewerteten, ob es einen Zusammenhang dieser Werte mit der ästhetischen Qualität der Darbietungen gibt, schreiben die Wissenschafter in "Plos One". Luciano Fadiga von der Universität von Ferrara konnte beobachten, dass die Qualität der Darbietungen höher war, je stärker die Bewegungen der Musiker von denen des Dirigenten beeinflusst wurden. Wobei die Aufzeichnungen auch dann wesentlich besser waren, je geringer die kausale Beziehung zwischen den Geigern selbst war. Ein erfolgreiches Orchester ist demnach eines, in dem sowohl Dirigent als auch Musiker verlässliche Modelle des jeweils anderen entwickelt haben, also konkrete Informationen aufgrund des Verhaltens und der Bewegungen aufnehmen können. Im Falle des Orchesters geht es um Timing und interpretatorische Aspekte.

Die Studienautoren glauben überdies, dass die Führungseigenschaften eines Dirigenten maßgeblich die musische Leistung der Spieler beeinflusst. Je stärker die Persönlichkeit, umso qualitätsvoller ist das Ergebnis - vor allem bei gleichzeitiger Eindämmung der Kommunikation zwischen den Musikern.