Um eine Trauerminute in Gedenken an Dietrich Fischer-Dieskau bat Dirigent Daniel Barenboim am Beginn des Abonnementkonzerts der Wiener Philharmoniker im Musikverein. Die Interpretation von Mozarts Es-Dur-Symphonie KV 543 schien diesem Rahmen angemessen: Das Werk hub gravitätisch an. Barenboim führte das Stück mit ruhiger Hand vom Dunkel ans Licht - nicht durch konsequente Gestaltung bis ins Kleinste, sondern über souveräne Klangarchitektur und die Betonung der Dur/Moll-Kontraste. Einzelne Phrasen waren zu großen Gesten zusammengefasst, die delikate Tongebung der Geigen ließ Schubertsche Klangwelten erahnen. Mozart als Visionär war hier das Motto.

Der breite Pinselstrich dominierte auch Mozarts "Jupiter-Symphonie". Manch kühne Passage servierte Barenboim auf dem Silbertablett, anderes passierte beiläufig. Ein Musterbeispiel an Ökonomie: Barenboim ließ Dinge mit gesenkten Armen geschehen, um im rechten Moment Akzente zu setzten. Das Dirigat sah nicht nach Diktat, sondern nach Interpretationshilfe aus. So geriet das Andante cantabile zum luftig-schaumigen Gebilde, das Menuett pulsierte breiig, aber musikantisch. Beispielhaft war die Ausgestaltung der Fugenthemen-Einsätze im Finalsatz. Die darauffolgende kontrapunktische Linienführung ging im majestätischen Gewurl der Streicher verloren.

Solist mit mildem Ton

Zwischen den Mozart-Symphonien durfte Soloflötist Dieter Flury für Jacques Iberts Flötenkonzert an die Rampe. Mit mild strahlendem Ton zauberte er die ruhigen Teile des Werks in den nachmittägig leuchtenden Musikvereinssaal. Die expressiven Läufe der Ecksätze wirkten dagegen risikolos und schläfrig. Barenboim überließ der bewährten Kommunikationsachse Flötist/Orchester die meiste Koordinationsarbeit.