Angesichts der wirtschaftlichen und politischen Krise in Euroland mag mancher insgeheim über die Vorzüge einer Monarchie nachdenken. In Bad Ischl freilich herrscht jedes Jahr für einen Tag ohnehin Kaiser Franz Joseph, das Lehár-Festival ehrt ihn mit einer üppigen Gala. Dazu lädt man dann gerne auch globale Stars wie Angelika Kirchschlager ein.

Heuer veredelten der Tenor Herbert Lippert und die graziöse Soprandiva Sona Ghazarian das von Intendant Michael Lakner pointiert präsentierte Programm. Mit dem krachenden "Phoenix-Marsch" von Josef Strauß ging es los. So weit, so gut. Aber warum spielt man bitte als Zweites die g-Moll-Ouvertüre von Anton Bruckner? Zweifellos, das Stück beginnt luftig leicht, satte Streicher sorgen für Schmelz, aber bald biegt Bruckner dann doch ab und verlässt die eingängigen Hörwege. Wuchtige Klangmassen entstehen und vergehen. Warum Bruckner zum Kaisergeburtstag? Intendant Lakner wusste Rat und erläuterte: Bruckner hatte einen guten Freund in Ischl, er improvisierte oft auf einer lokalen Kirchenorgel und komponierte auch etliches im Kurstädtchen.

Hochzeit und Seiden-Venus

Die Beziehung einschlägiger Komponisten zu Ischl erwies sich gleichsam als Orgelpunkt für die Moderation und das gesamte Programm. Nach Bruckners Wummern wurde es wieder leichter. Ein Nico-Dostal-Potpourri schloss sich an, wobei Sona Ghazarian mit dunklem Glühen den Sehnsuchtskantilenen aus der "Ungarischen Hochzeit" Leben einhauchte. Herbert Lippert reüssierte mit dem Hit "Märchentraum der Liebe". Im Publikum freute sich darüber auch die eigens angereiste Schwiegertochter Dostals.

Nach Fledermäusigem von Johann Strauß ging es über Emmerich Kálmán hin zu Robert Stolz. Ihn als Ischler Tonschöpfer zu bezeichnen geht vielleicht doch etwas weit. Michael Lakner meinte, Stolz habe immerhin einige Verträge vor Ort unterzeichnet . . .

Ghazarian brachte das Lied der Fürstin Palotay "Spiel auf deiner Geige" aus der Operette "Venus in Seide" eindringlich zu Gehör, danach durfte man sich beim Walzer "Wiener Café" etwas entspannen. Zum Finale gab es dann naturgemäß Huldigungen an den Hausgott Lehár. Lippert behauptete glaubwürdig "Freunde, das Leben ist lebenswert", Dirigent Martin Burkert und das Franz-Lehár Orchester bestätigten dies durch einen schmissigen "Giuditta"-Walzer. Der vielleicht schönste Moment des Abends war jedoch ein eher ruhiger. Die Zithervirtuosin Erika Swoboda stattete Johann Strauß’ "Geschichten aus dem Wienerwald" mit zwei wunderbar lyrischen Soli aus. Ergriffener Jubel!

Gala

Kaiser-Gala

Lehár-Festival Bad Ischl