Um Konzertabende von der Dimension eines Bruce Springsteen bieten zu können, benötigen The Gaslight Anthem - noch! - zwei sogenannte Support-Acts, die das Publikum vorab bei Laune halten. Das hat den Nachteil, dass die Hauptattraktion erst gegen 22 Uhr auf die Bühne kommt - als Helden der Musikarbeit muss ja auch nicht die Band selbst am nächsten Morgen wieder an der Werkbank, am Hochofen oder sonst wie vor der Chefetage Spalier stehen, sondern eh nur das Publikum.

Mit heimischem Bier auf Betriebstemperatur gebracht, erweisen sich The Gaslight Anthem zumindest trinktechnisch als mit den Fans solidarisch. Man hätte ja auch ein dem eigenen Gusto womöglich entsprechenderes Bud Light mit dem Düsenjet importieren lassen können. Und während die Becher vor allem zwecks Sinnentleerung im hohen Bogen durch die Halle fliegend erklären, dass die Band zuletzt am Nova-Rock-Festival ein paar neue Fans aufgeklaubt haben dürfte, geht es auch auf der Bühne bald zünftig zu. Live wird zu fünft (und um einen dritten Gitarristen verstärkt) mit Nachdruck gewerkelt, wobei Alex Levine am Bass aussieht, als würde er gerade Lattenbretter zurechthobeln oder vor dem Rennstart in Kitzbühel noch schnell die Ski wachsen müssen.

Das eine Lied

Wie ihr Vorbild Bruce Springsteen stammt die Band um den auch mit kurzen Ansprachen für Stimmung in der bestens gefüllten Gasometer-Halle sorgenden Sänger Brian Fallon aus New Jersey - ihre Heimatstadt New Brunswick gilt mit 55.000 Einwohnern als tiefste US-Provinz und liefert den Nährboden für jene Geschichten, die der Boss nicht anders erzählen würde: Junger Mann, von der Arbeit geknechtet, von den Verhältnissen desillusioniert, jagt in der Vorstadt nach Kitteln, die Mary heißen, um bei einer Zigarette danach von der Rückbank aus in ein besseres Leben zu flüchten. "I wanna see you tonight/Would you come for a drive?", wie es im verhältnismäßig zurückgenommenen "Mae" heißt, das im Gasometer den Auftakt macht.

Aller inhaltlichen Romantik zum Trotz klingt die Musik dazu doch etwas grob. Entgegen gewissen Glättungstendenzen auf dem aktuellen und mittlerweile vierten Album "Handwritten" hört man im Konzert also vor allem das eine Lied: eine Boss-Adaption mit den Mitteln des Punkrock, von Fallon mit heiserer Stimme und dem Bestreben aus dem Rachen gewürgt, sowohl die Westtribüne als auch die Ostkurve zufriedenzustellen.

Eingedenk eines solidarischen Publikums gelingt das den Bossen mit dem Peckerl natürlich mehr als erfolgreich. Nur für den kritischen Rest gilt auch aufgrund des Soundbreis im Gasometer am Ende, was vorab vom Band lief: "Born to run!"

Rockkonzert
The Gaslight Anthem
Aktuelles Album: "Handwritten" (Universal)
http://www.thegaslightanthem.com