Ein starker Hauch von Abschied wehte am Samstagabend im Wiener Konzerthaus, als Country-Rock-Legende Kris Kristofferson auf die Bühne trat. Tosender Applaus gleich zu Beginn, noch bevor der Singer/Songwriter und Schauspieler den ersten Ton gesungen hatte. Und diese wilde Begeisterung eines mehr als erwachsenen Publikums riss den ganzen Abend nicht ab. Der 76-jährige war überrascht, aber nicht sprachlos. "Es müssen wohl manche von meinem nahen Ableben wissen", meinte er augenzwinkernd.

Kristofferson, der in der letzten Phase seiner Karriere auch von Kritikern jenen Respekt gezollt bekommt, den er schon viel früher von vielen seiner Kollegen wie Johnny Cash, Bob Dylan oder Willie Nelson erhalten hatte, ist seit einer Herzoperation vor einigen Jahren nicht mehr so gut bei Stimme. Höhere Töne machen ihm Probleme. Doch der Altbarde, der den Abend alleine mit Gitarre und Mundharmonika bestritt, hat sich die Songs entsprechend zurecht geschnitzt. Langsamer singt er sie, ohne dabei in den Sprechgesang eines Leonard Cohens zu verfallen. Und wenn er einmal höher hinauf muss, dann holt er tief Luft und grinst voller Freude, wenn er die Hürde gemeistert hat.

In Wien hat sich Kristofferson wie so oft mit einem klassischen Werksausschnitt präsentiert. Fast alle Hits durften die Fans hören. "Me And Bobby McGee", "Sunday Morning Comin‘ Down", "Why Me Lord" oder "Lovin‘ Her Was Easier" waren genauso dabei wie "For The Good Times" und "Help Me Make It Through The Night". Doch auch neuere Songs präsentierte der einstige US-Soldat und Hubschrauber-Pilot. Das titelgebende Stück seiner aktuellen CD "Feeling Mortal" war irgendwie ein Leitmotiv, das nicht nur dem Künstler nicht aus dem Kopf zu gehen schien.

Und es war auch nicht verwunderlich, dass Kristofferson seine Zugaben mit den Zeilen "This could be our last good night together" vom Song "Please Don’t Tell Me How The Story Ends" begann. Das Publikum war zu diesem Zeitpunkt bereits zur Bühne geeilt und hatte den Highwayman mit Rosen überhäuft.

Eine kleine Überraschung hatte Kristofferson, der vergangenes Jahr auch im Weißen Haus vor Barack Obama aufspielen durfte, diesmal dabei. Bei seiner Europa-Tour ist seine Tochter Kelly mit, die für einige Songs wie etwa "The Pilgrim (Chapter 33)" auf die Bühne kam und den Vater mit Gesang und Banjo unterstützte. Ein sentimentales Konzert, bei dem die Zuhörer und der Künstler Freude an der Sache hatten.  Und bitte, das Ende dieser innigen Beziehung wollen wir wirklich nicht erfahren.