Andris Nelsons - © APAweb / EPA/DAVID¦EBENER
Andris Nelsons - © APAweb / EPA/DAVID¦EBENER

Vier Konzerte brachten den lettischen Dirigiernachwuchsstar Andris Nelsons ans Pult der Wiener Philharmoniker, zwei gemeinsame Auftritte führten nach München und bis Paris. Zum Finale ging es zurück nach Wien. Die beiden großen Bs der Musikgeschichte sollten den Sonntagvormittag im Konzerthaus versüßen: Beethoven und Brahms standen auf dem Programm - und wie.

Das selten gehörte Zweite Klavierkonzert des Hamburger Wahlwieners, in B-Dur op. 83, wurde dank der französischen Pianistin Hélène Grimaud zum absolut energiegeladenen Erlebnis. Druckvoll trat sie schon zu Beginn des eröffnenden Allegro auf, präsentierte einen lautstarken Gegenpart zu den weich zeichnenden Unisoni des Ensembles. Emotioneller Höhepunkt wurde das Andante (eindrucksvolle Kantilene in den Celli!), wobei auch an diesen harmoniesüchtigen Stellen das eigentliche Manko des musikalischen Miteinanders offenbar wurde. Die scharfe Rede der Pianistin ging mit der romantisierenden Sprache der Tutti wenig Symbiose ein und hemmte Dialoge.

Feurige Fünfte


Beethovens Fünfte offenbarte den ähnlich intensiven Zugang des Dirigenten zur klassischen Materie. Nelsons ging bereits das populäre Achtelmotiv besonders kraftvoll an, vor lauter Schwelgen in der Klangwucht blieb manch delikate Passage auf der Strecke. Berührende Momente verbreiteten die philharmonischen Streicher im Andante, Nelsons trieb den feinen Kontrapunkt des finalen Allegro zu rasendem Tempo. Das Publikum dankte für so viel Feuer mit viel Applaus.