Das RSO ist der Tausendsassa unter den österreichischen Orchestern: Kein anderer Klangkörper versteht es, mit solcher Selbstverständlichkeit den unterschiedlichsten Stilen gerecht zu werden. Dies war auch beim dritten Abonnementkonzert des Orchesters zu überprüfen, das eine Art Negativ-Variante des traditionellen Sandwich-Konzerts darstellte: Ein klassischer "Belag" in Form von Mozarts Klarinettenkonzert wurde von zwei - im engeren oder weiteren Sinn - zeitgenössischen Werken eingerahmt. Zunächst "Reading Lessons" des Tschechen Miroslav Srnka, das in seinem Wechsel von tremolierenden Klagflächen und Zuständen frenetischer Aktivität einen zwingenden Zusammenhang vermissen ließ. Am Schluss Bohuslav Martinůs "Fantaisies symphoniques" überschriebene Sechste Symphonie, deren spätromantische Züge dem Orchester reichlich Gelegenheit zu energiestrotzender Rhythmik und süffigem Sound boten.

Höchster Respekt gebührt den Musikern dafür, wie diese Spezialisten der Moderne Mozart interpretierten: Trotz großer Besetzung gelang es ihnen, auch im Pianissimo leiser zu klingen als Sabine Meyer, deren vollendetes Zusammenspiel mit Dirigent und Konzertmeister eine Ohren- und Augenweide war. Da hielt auch noch der letzte Huster vor Spannung den Atem an.