Von der Bedrohung Europas ist in letzter Zeit häufig die Rede. Das Klangforum versteht seinen aktuellen Zyklus als Hinweis darauf, dass die Ein- und Vielheit des Kontinents nicht nur ökonomisch, sondern auch kulturell zu definieren sei. Wie manifestieren sich regionale Besonderheiten angesichts einer Globalisierung, die uns im Guten wie im Schlechten zu Bewohnern eines globalen Dorfes macht? Zufall oder nicht: An den Werken aus Deutschland, das in der musikalischen Europareise die dritte Station darstellte, stach jedenfalls deren theoretischer Überbau ins Auge, der sich in anspruchsvollen Werkkommentaren niederschlug.

Archaisches Moment


So bildeten die in vier verschiedenen Sprachen verfassten Strophen von Hans Zenders "Issei no kyo", theatralisch differenziert von Sopranistin Claron McFadden, eine eindrucksvolle Übersetzung für die Widersprüchlichkeit des Ichs. Auch Arnulf Herrmanns "Seestück (Traum) und Tanz" fand für das Thema der Komposition, nämlich das Auseinanderklaffen von Realität und Erinnerung, mit dem verzerrten Klang einer "leiernden" Schallplatte ein überzeugendes musikalisches Bild. Dagegen ließ sich der Ausgangspunkt von "Angels Burnout Graffiti" - grafische Protestäußerungen in antiker und moderner Zeit - anhand der Komposition von Johannes Kalitzke, der auch als Dirigent auftrat, nur schwer nachvollziehen. Unabhängig von seinem außermusikalischen Auslöser (Dantes "Commedia"), brachte schließlich in Sven-Ingo Kochs "Der Durchbohrte" das Solo-Schlagzeug ein anarchisches Moment scheinbar unstrukturierter Geräuschhaftigkeit ins Spiel.

Konzert

Klangforum Wien

Wiener Konzerthaus