Am Ende gibt’s Doktorhüte für alle Beteiligten. Erfolgreich haben sie das Studium hinter sich gebracht, das in DaPontes Libretto im Untertitel "La scuola degli amanti" heißt. Weil Regisseur Jacopo Spirei Mozarts "Cosi fan tutte" aber aus Neapel an die "University of Naples" verlegt hat, geht es vermutlich um Advanced Studies in Love-Style.

Die Tücken einer modernen US-Ehe erlebt Gillian Ramm in "Così fan tutte". - © Foto: Christina Canaval
Die Tücken einer modernen US-Ehe erlebt Gillian Ramm in "Così fan tutte". - © Foto: Christina Canaval

Naples, ein amerikanisches Napoli, gibt es wirklich, in Florida. Und es liegt sogar am Meer. Glaubwürdig also, dass sich die beiden Soldaten, die sich in die Studentinnen Fiordiligi und Dorabella verknallt haben, mal kurz per Schiff davonmachen. Don Alfonso ist Baseballtrainer, Despina eine Kommilitonin. Sie jobbt in der Cafeteria am Campus. Wenn man den Opernchor so ansieht, den Don Alfonso als Statisterie für das Liebesexperiment herumschickt, dann kommt man zum Schluss: Naples muss eine erste Adresse für Seniorstudenten sein.

Das Salzburger Landestheater bemüht sich um ein Mozart-Ensemble. Das Wort Ensemble gehört doppelt unterstrichen. "Così fan tutte" lebt und fällt ja mit der Gruppen-Tauglichkeit der Sänger. Das Programmheft weist eigens einen Sprach-Coach aus, und es ist wirklich ein gleichgestimmtes junges Team beisammen, das sich hören lassen kann. Und wenn Leo Hussain - charmant, aber in seinen Tempovorstellungen manchmal wohl noch nicht ganz vorhersehbar für die Sänger - es nicht gar zu bunt treibt, läuft auch wirklich alles wie am Schnürl.

Ensemblemitglieder und Gäste passen in der Gewichtung gut zusammen. Keine Sängerin, kein Sänger empfiehlt sich augenblicklich als Geheimtipp für die Festspiele. Aber es ist auch absolut nichts Schlechtes zu berichten. Für das Landestheater, von der Dimension her ja das bei weitem bessere "Haus für Mozart" am Ort, sind diese Stimmen gerade recht dimensioniert. Gillian Ramm (Fiordiligi) erreicht intensive Gefühlstiefe und ihre Stimme amalgamiert wunderbar zur Dorabella von Tamara Gura, deren Stärken ebenfalls im Lyrischen liegen. Laura Nicorescu macht als Despina mit Charme und Quirligkeit wett, was ihrer Stimme an Flexibilität fehlt.

Marcell Bakonyi (Don Alfonso) und Simon Schnorr (Guglielmo) sind seit Jahren verlässliche Mozart-Sänger am Haus. Das Understatement, mit dem Bakonyi den Don Alfonso anlegt, verdient Beachtung. Sergey Romanovsky legt eine verblüffende Breakdance-Einlage hin und muss gleich drauf alle innere Ruhe haben für "Un’aura amorosa". Das hat er besser hingekriegt als die Arien im weiteren Verlauf. Er hat alle Höhen, aber sie wirkten zunehmend eng und starr. Vielleicht Premierennervosität.

Ganz daheim auf diesem Spielfeld: das Mozarteumorchester, vor allem in den betörenden Bläserbeiträgen. Leo Hussain will vielleicht mehr aktiv "gestalten" als die Musik frei atmen lassen. Er schlägt extravagante Haken, das wirkt manchmal erfrischend, aber Hussain schießt auch öfters übers Ziel hinaus. Egal ob Ritardandi oder ein Zunehmen im Tempo, irgendwie dreht der Dirigent immer ein klein wenig mehr an der Schraube als notwendig.

Aber das passt letztlich auch wieder recht gut zur Inszenierung. Der Italiener Jacopo Spirei hat im Landestheater auch schon den "Don Giovanni" inszeniert (nicht nur drüben bei den Festspielen macht man einen DaPonte-Zyklus im Schulterschluss eines Dirigenten und eines Regisseurs). "Così" als Soap-nahe Collagekomödie kommt unverkrampft. Es fehlt nicht an locker eingestreuten Pointen, aber es gibt auch genügend Ruhe, um unabgelenkt auf die Musik zu hören.