Angefangen hatten sie mit dem einflussreichen Hofkomponisten Ludwig XIV., dem Italo-Franzosen Jean-Baptiste Lully, zu Ende gingen sie ein halbes Jahrhundert später mit dessen geistigem Nachfolger Jean-Philippe Rameau: Die "Traumreisen", so das diesjährige Motto des Alte-Musik-Festivals Resonanzen, durchmaßen nicht nur mehrere Jahrhunderte, sondern stießen auch in exotische Gefilde vor, die allerdings weitgehend der Imagination europäischer Komponisten entsprangen.

So auch in Rameaus Oper "Les Indes galantes", einem pittoresken Aufgebot großmütiger Türken, anmutiger Sklaven, verkleideter Prinzen und erotischer Intrigen fernab Europas (mit den beiden "Indien" waren Amerika und Asien gemeint). Dass sich die vier Stunden der Aufführung dennoch wie vier Stunden anfühlten, ist bei einer konzertanten Oper wohl unvermeidlich, zumal diese Opéra-ballet ohne Tanz und Bühnenaktion gleich zwei wesentlicher Erfahrungsebenen verlustig ging.

Fesselnde Dramatik

Dass die Musik trotzdem streckenweise mit fesselnder Dramatik aufwartete, ist der Partitur ebenso geschuldet wie dem Ensemble La Simphonie du Marais samt zugehörigem Chor (Leitung: Hugo Reyne), das etwa die Drastik der Gewitter-Szenen auf furiose Weise umsetze. Und auch wenn die Solostimmen nicht immer höchstes Niveau erreichten, konnten Stéphanie Révidat und François-Nicolas Geslots doch größtenteils mit geschmeidig-beweglicher Stimmführung überzeugen. Das viel beschworene Klischee vom "edlen Wilden" hingegen hat freilich in postkolonialen Zeiten seine Überzeugungskraft verloren.