So grimmig der Schnee auch wehte, ein Hauch von Sommer lag am Mittwoch über der Staatsoper. Alljährlich nistet sich der Jazz dort eigentlich erst nach Saisonschluss ein. Wobei der Stilbruch zwar nicht mehr so prägnant ist, seit auch dieses Jazzfest Wien seinen Repertoirealltag besitzt (Stichwort: und wieder Bobby McFerrin!). Trotzdem wähnt man sich habituell im Juli, wenn eine namhafte Sängerin hier vor einer Swing-Kulisse agiert.

Angela Denoke singt Weill


Nun war der Liederabend vom Mittwoch freilich eher ein Grenzgang denn Fremdkörper: Angela Denoke, Soprankapazität aus Deutschland, präsentierte die beiden Schaffensphasen des von Berlin nach Übersee emigrierten Kurt Weill, besser: wollte sie einen. Wiewohl die Songs für die Brecht-Bühne und den Broadway durch eine Pause getrennt waren, hat ihnen Denoke ein Einheitsklangbild verpasst: Der Pianist Tal Balshai und der Holzbläser Norbert Nagel grundierten sanft und jazznah. Es gibt nur einen Weill, hat dessen Ehefrau Lotte Lenya gesagt: Auch das hört man bei einer der Intermezzo-Lesungen Denokes. Was aber auch evident wird: dass es keinen stilistischen Königsweg für dieses Werk zwischen Kabarett, Oper und Jazz gibt. Zwar bestrickt Denoke durch ihr lyrisches Legato, das aus dem Pianissimo-Nichts herausblüht. Aber obwohl ihr Kunstgesang stets schlank bleibt, wirkt er beim Broadway-Teil oft so deplatziert wie eine Bügelfaltenhose bei einem Bikertreff. Und die Begleitmusiker schrammen leider erst spät an ihrer selbstauferlegten Intensitätsgrenze. Dennoch: Viel Beifall für einen Abend der berückenden Momente.

Konzert

Angela Denoke (Sopran)

Wiener Staatsoper