Lang Lang gehört zu jenen Musikern im Bereich der klassischen Musik, die von Kritik und Fachpublikum mit Misstrauen beäugt werden: Zu sehr ähnelt ihre Selbstinszenierung derjenigen von Popstars, zu weit entfernt sich ihre Interpretation mitunter vom Konsens darüber, wie ein bestimmtes Repertoire zu spielen sei. Die Metaphorik von Tiefe und Oberfläche verortet sie gerne auf der Seite von seichtem Showmanship.

Glänzender Techniker


Unumstritten sind Lang Langs außergewöhnliche technische Fertigkeiten, die ihn am Sonntag Abend im Konzerthaus Hochvirtuoses wie Chopins Balladen mit einer Leichtigkeit bewältigen ließen, die keine Spur von Anstrengung verriet. Neben brillantem Tastenzauber wies sein Spiel etwa im vierten Werk der Serie aber auch einen kontrollierten Einsatz von klangfarblichen und dynamischen Mitteln auf. Und selbst die drei Mozart-Sonaten, die am Anfang des Programms standen, interpretierte der Dreißigjährige zum Großteil differenziert, gefühlvoll und ohne stilistische Entgleisungen. Lediglich im ersten Satz der Es-Dur-Sonate entfernte er sich zu weit von dem, was als stilgerechtes Mozart-Spiel durchgehen kann.

Worin die enorme Publikumswirksamkeit des Chinesen besteht, kam dennoch erst im zweiten Teil so richtig zum Ausdruck: Der auftrumpfende Gestus, mit dem er die Balladen und auch noch die beiden Chopin-Zugaben aus dem Ärmel schüttelte, hat seine Berechtigung in der staunenerregenden Mühelosigkeit seines Spiels, das keine physischen Grenzen zu kennen scheint.



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