René Clemencic demonstriert die Vorzüge des Clavichords. - © Clemencic
René Clemencic demonstriert die Vorzüge des Clavichords. - © Clemencic

Wien. Müsste man noch jemandem erklären, wer der Jubilar ist (man muss das schon sehr lange nicht mehr. . .) - auch ein Kurzporträt von René Clemencic liest sich umfangreich: Komponist, Dirigent, Flöten- und Clavichordvirtuose, Cembalist und Organist, Leiter und Gründer des weltberühmten Ensembles Clemencic Consort für alte Musik. Seit 1966 betreut der Vielseitige im Wiener Musikverein den Zyklus Musica Antiqua. Clemencic ist aber auch Musikwissenschafter und Schriftsteller, sowie Sammler von Skulpturen.

Nach der summarischen Berufs- und Personenbeschreibung nimmt sich die Tatsache, dass Clemencic dieser Tage seinen 85. Geburtstag feiert, kurz und bündig aus - wiewohl man es schwerlich glaubt. Denn der umtriebige Universal-Musiker mit altösterreichischen Wurzeln (er spricht Deutsch, Englisch, Italienisch und liest Hebräisch, Latein, Griechisch und Mittelhochdeutsch) gehört zu jenem Typus von Multitaskern, die alles in Ruhe und leise erledigen.

Laut auf die Marketingtrommel einzuschlagen, das war seine Sache nie. Auch nicht, als er in der Alten Musik eine Pionierleistung nach der anderen vollbrachte - sei es auf dem Instrumenten-, sei es auf dem Aufführungssektor.

Clemencic erinnert sich, wie schwierig es anfangs war, überhaupt an das richtige Instrumentarium heranzukommen: "Ich habe mich bemüht, alte Streichin-strumente zu kaufen. Aber es war keiner da, der sie fachkundig restaurieren hätte können." Mit dem wachsenden Interesse für das Genre sei alles einfacher geworden. Mittlerweile könne man schon "in Neuseeland exzellente Kopien von historischen Instrumenten kaufen". Auch Blasinstrumente hat man einwandfrei nachzubauen gelernt. "Und man kann sie heute auch spielen. In unserer Studienzeit kam ein Experte aus London und hat uns demonstriert, wie ein Zink zu spielen sei: Wie furchtbar das geklungen hat!"

Ist der Originalklang inzwischen "in" geworden? Clemencic denkt kurz nach: "Natürlich macht sich das auch negativ bemerkbar. Oft gehen die Leute zu irgendwelchen Veranstaltungen, ohne dass sie eine Beziehung zu dem haben, was da gemacht wird. Weil man halt hingeht. . ."

Lehren, ohne den Zeigefinger zu erheben


Auch aus diesem Grund versucht Clemencic in seinen Programmen stets, ohne den erhobenen Lehrer-Zeigefinger, Neues zu bringen, denn das Interesse "wird zwar breiter, aber es wird zum Teil auch oberflächlicher".