Der Name "Adam Ant" ist ein Spiel mit Worten. Adamant bezeichnet im Altgriechischen ein spezifisches Hartmetall, aus dem in der Theogonie Hesiods die Sichel besteht, mit der Kronos Uranos entmannt. In dem Pseudonym, das sich Stuart Leslie Goddard wählte, steckt somit etwas Unbesiegbares, das selbst die Götter fürchten lehrt. Freilich könnte der Name auch bloß eine Anspielung auf den ersten Menschen sein. Adam Ant liebte stets Charaden und Maskeraden.

Seit dem noch vom Post-Punk beeinflussten Debüt "Dirk Wears White Søx" (1979) von Adam and the Ants wird in der Musik das rebellische Moment gegenüber einer etablierten Ordnung betont. Siebzehn Jahre nach seiner letzten Platte ist Adam Ant nun "The Blueblack Hussar". Immer noch ist die Freibeuterei das strategische Kalkül.

Adam Ant kleidet sich bereits seit dem zweiten Album, "Kings of the Wild Frontier" (1980), als Husar, steckt sich Federn ins Haar und bemalt sich das Gesicht. Er erinnert an eine surrealistische Filmfigur. Noch heute kann man online eine Adam Ant-Perücke für die fünfte Jahreszeit erwerben. Mit seinem ungewöhnlichen Stil ist er wegweisend, sollte doch später Adam Ants Outfit von Prince auf elegante Art perfektioniert werden.

Gleichzeitig verfestigt sich der vor allem von Burundi Beats beeinflusste typische Adam Ant-Sound, der nur noch wenig mit den Anfängen der Post-Punk-Ära gemein hat: Treibende Rhythmen, eine sich überschlagende Frontstimme, ein im Hintergrund agierender Männerchor, der häufig bloß lautmalerisch Töne anstimmt, dominieren fortan.

Anleihen aus Filmen (Western, Freibeuter- und historische Abenteuerfilme) werden bewusst eingesetzt. Musik wird zum Abenteuerspielplatz. Mit "Prince Charming" (1982) und der Zeile "Ridicule is nothing to be scared of" wird auch textlich zwischen Klamauk und Rebellion manövriert. Nach "Prince Charming" löst Adam Ant sein Bandprojekt auf.

Ab 1982 geht er einer Solokarriere nach, die musikalisch zunächst ebenso erfolgreich ist, wenn man an Songs wie "Friend or Foe" oder "Goody Two Shoes" denkt. Adam Ant verzichtet zunehmend auf das pfauenhafte Äußere, ohne dabei die rebellenhafte Attitüde abzulegen. Er nimmt Film- und Fernsehengagements an und tritt ab 1996 auch als Theaterschauspieler auf. Über die Jahre verschwinden auch die treibenden Rhythmen. Die Songs werden weniger verspielt. Zwischen 1983 und 1995 macht er fünf weitere Soloalben, von denen vier veröffentlicht werden, die aber alle nicht mehr an die Erfolge der "Ants" anknüpfen können. Nach "Wonderful" (1995) wird es still um ihn.

Anfang der 2000er Jahre wird bei Adam Ant eine bipolare Störung diagnostiziert, die er mittlerweile im Griff zu haben scheint. Seit einigen Jahren tourt er wieder regelmäßig. Adam Ant ist inzwischen 58 Jahre alt, hat ein eigenes Label gegründet und eine neue Band: The Good The Mad & The Lovely Posse. Die Veröffentlichung eines Dokumentarfilms zum neuen Album ist für das Frühjahr geplant - und noch in diesem Jahr soll Adam Ants Fashion Label "Blueblack Hussar" - co-designed von Rob Lucas - bei Pimpernel herausgebracht werden.

Beim Hören von "The Blueblack Hussar" überrascht zunächst die Selbstverständlichkeit, mit der Adam Ant mit den Genres spielt. "Cool Zombie" kommt wie ein verrotzter Countrysong daher, "Stay in the Game" ist ein klassischer Shoegazer, "Punkyoungirl" ein frecher Dreampoprocksong. Das alles klingt keineswegs wie ein Alterswerk und macht über weite Strecken auch Spaß. Dabei ist das Album nicht der Versuch, an vergangene Erfolge anzuknüpfen. Eher ist es eine zum Teil ironische Distanzierung vom Adam Ant-Klischee.

Der - etwas willkürlich wirkende - Stilmix wird wohl absichtlich in einer Aufnahmequalität dargeboten, die Hörer von High-End-Geräten nicht zufriedenstellen kann, was aber verzeihlich wirkt. Trotzdem fragt man sich am Ende, wie viel "Hussar" die Welt eigentlich braucht.