Wer sich einmal in die Herzen des Opernpublikums gesungen hat, der wird aus ihnen so schnell nicht verbannt. Fast acht Jahre nach der glorreichen Aufführungsserie von Giuseppe Verdis "La traviata" bei den Salzburger Festspielen gab Rolando Villazón kürzlich an der Wiener Staatsoper sein Rollendebüt als hitziger Alfredo.

Seit Salzburg ist bekanntlich viel passiert im Leben dieses sympathischen Tenors. Und so saß der größte Teil des Publikums mit gedrückten Daumen im ausverkauften Haus am Ring, während im Laufe der ersten von drei geplanten Aufführungen die bühnenseitige Angst vor Spitzentönen regelrecht zu spüren war. Allzu vorsichtig tastete sich Villazón durch die Partitur, man vermisste seine einstige Stimmkraft. In der Cabaletta brach ihm beim mehr oder weniger einzigen Versuch eines leidenschaftlichen Ausbruchs kurzzeitig sogar die Stimme weg.

Kühle Koloraturen


Die von ihm angebetete Kurtisane Violetta verkörperte die beim Wiener Publikum spätestens seit ihrer Titelpartie in Aribert Reimanns "Medea" bestens bekannte Marlies Petersen. Eine erstklassige Sängerin, zweifellos, deren kühl geschnitzte Koloraturen aber zwischendurch am italienischen Phrasierungsideal einer Kameliendame vorbeigingen. Ungeachtet dessen packte der hohe Resignationsgrad in ihrer Interpretation der Arie "Addio del passato" im finalen Akt. Als Unglück bringender Vater Germont gefiel Fabio Capitanucci.

Durch die blutleere Inszenierung von Jean-Francois Sivadier führte ein routiniert spielendes Orchester unter Paolo Carignani.