Doktert an der Staatsoper an Wozzeck herum: Bankl. - © Robert Newald
Doktert an der Staatsoper an Wozzeck herum: Bankl. - © Robert Newald

Wien. Ganz klar ist das manchmal nicht. Was bedeutet es, wenn jemand "Bassist" ist? Umklammert er ein Instrument - oder kommt der düstere Ton aus der Kehle?

Bei Wolfgang Bankl kann beides der Fall sein. Wobei: Zuvorderst kennt man ihn von der Opernbühne, als teuflischen Klingsor (auch heuer wieder im Gründonnerstag-"Parsifal") oder täppischen Ochs. In einer modernen Oper groovte er aber auch schon mit dem E-Bass auf der Bühne. "Ich hab’ das Instrument mit 14, 15 autodidaktisch gelernt und es zu einer relativen Meisterschaft gebracht", sagt er. Heute zupft der Wiener die Metallsaiten nur noch selten - zur Weihnachtszeit etwa, wenn seine "uralte Band" wieder ein Charitykonzert bestreitet. Wofür es vorab gilt, ein wenig zu üben, um sich üble Blasen zu ersparen.

Deutlich intensiver probt Bankl freilich für den nächsten Staatsopern-Auftritt: In der Wiederaufnahme von Alban Bergs "Wozzeck" singt er am Sonntag wieder einmal den irren Arzt. Zwölftonmusik auswendig lernen - ein hartes Brot? "Leichter als vieles andere", sagt Bankl. Was nicht heißen soll, dass die Partie ohne Tücken wäre. Im Gegenteil. "Man übt so lang und oft, bis man diese Musik endlich richtig singt, dass man sie dann fast auswendig kann." Und der Auftritt erfordert abermals höchste Konzentration. Muss Bankl beim "Figaro" "zwei-, dreimal zum Dirigenten schauen, um das richtige Tempo aufzunehmen", sind beim "Wozzeck" "unmusikalische Hilfen" nötig. Da muss der stimmkräftige Mann mitunter still Pausenlängen zählen. In der alten Dresen-Regie (1987) wird er nun an Simon Keenlyside als Wozzeck herumdoktern, Franz Welser-Möst dirigiert das düstere Meisterwerk.

Dass man als Bass fast auf Bösewichte abonniert ist, ficht Bankl nicht an. "Es ist einfacher, so extreme Typen zu charakterisieren." Aber: "Mich stört, dass man stimmlich schubladisiert wird. Solche Rollen sind ja meist mit einer relativ ausladenden, nicht unbedingt auf Schöngesang abzielenden Linie versehen. Wenn jemand einen Klingsor exekutiert, traut man ihm keinen schönen ‚Messias‘ zu." Das, sagt Bankl, sei aber eher sein angestammtes Gebiet.

Radeln mit Neuer Musik


Der Kammermusik frönt er auf seinem eigenen Festival, einer echten Tour de force: Rund 15 "Verrückte" - Musiker, Lyriker, Komponisten - schwingen sich allsommerlich für einige Tage aufs Rad. 70 bis 100 Kilometer lassen sie beim "Giro d’arte" täglich hinter sich, mit kunstsinnigen Stopps auf der Strecke. Für diese Aufführungen steuert dann auch Bankl eigene Musik bei. "Komponist" will er sich nicht nennen, das Schreiben, tonal bis atonal, macht ihm einfach Spaß. "Dilettantisch" sei das, im "guten alten Stil" - was also nicht Stümpertum bedeutet, sondern Liebhaberei.

Dazu gehört für Bankl auch ein Ritual: dass er sich vor der Premiere ein Motiv aus seiner Partie herausfischt, es zu einer Fuge verarbeitet und dann Kopien an die Premieren-Kollegen schickt - mit den besten Toi-Toi-Toi-Wünschen. Wann Bankls eigenes Bühnenwerk an die Staatsoper kommt? Der Bass lacht schallend. Wobei: Spaßeshalber gab’s schon mal eine Idee, damals, als das Kinderopernzelt seinen Betrieb aufgenommen hat. "Der Einfall war, eine Asterix-Oper zu schreiben. Einfach, weil uns für jede Figur der ideale Darsteller einfiel. Begonnen mit Ioan Holender als Caesar, Hans Peter Kammerer als Asterix und Herwig Pecoraro als Fischhändler." Und Bankl? "Für mich wär’ der Obelix geblieben."