Endlich ist die Wozzeck-Abstinenz gebrochen. Fast acht Jahre nach der letzten Aufführungsserie des Büchner-Berg’schen Dramas an der Wiener Staatsoper erhielten Adolf Dresens schlicht passende Bilder durch eine hochkarätige, vielfach hausinterne Besetzung einen würdigen Anstrich. Simon Keenlyside gab erstmals seinen schauspielerisch packenden Soldaten, wobei er sich stimmlich vielfach zurückhielt. Bei so vielen Enttäuschungen eines einfachen Menschenlebens wurden jedenfalls die letalen Ausraster verständlich. Und bei all dem Piesacken durch die Gesellschaft eines Doktors (Publikumsliebling Wolfgang Bankl reüssierte neuerdings in der Rolle), Hauptmanns (Herwig Pecoraros Rollendebüt ging ebenso durch Mark und Bein) und Tambourmajors (sehr diskreter Heldentenor: Hausdebütant Gary Lehman).

Ebenso solide gelangen übrige Neuerungen mit Norbert Ernst (Andres), Monika Bohinec, Marcus Pelz und Clemens Unterreiner. Anne Schwanewilms gesellte sich mit ihrem durchdringenden Timbre als gar nicht so keusche Jungfer Marie zum glücklosen Wozzeck auf die Bretter am Ring. Anfangs noch wenig präsent, steigerte sich ihre Gestaltung zu schriller, echter Verzweiflung empor. Dennoch wollte bei aller Akkuratesse (Generalmusikdirektor Welser-Möst trieb das Orchester zu bester Leistung an) und Ensemblequalität noch nicht die endgültige, in Alban Bergs Ideen aufgelöste Klangwelt erstehen. Aber dafür gibt es Folgevorstellungen. Und ab nun hoffentlich viele, regelmäßige Aufführungsserien. Reichlich Applaus.