Denkt man an italienische Musik, so fallen einem viele Klischees ein: italienische Opern und Schlager, italienischer Rock’n’Roll oder gar singende Rechtsanwälte. Freilich hat italienische Musik weitaus mehr zu bieten, man denke etwa an Nino Rota oder Luigi Nono. Was man aber vielleicht weniger erwarten würde, ist eine Band, die mit einer Spielfreude aufwartet, die zuletzt hauptsächlich von kanadischen Bands demonstriert wurde.

Sycamore Age sind nach einer Platane benannt. Demgemäß darf der Hörer gerne alle Assoziationen und Metaphern auf das Septett anwenden, die ihm zwischen Musik und Bäumen so einfallen: angefangen von festen Verwurzelungen in klassischer Musik über stammhafte Anleihen aus dem Rythm and Blues bis hin zu diffizilen Verästelungen des Singer/Songwritertums.

Aufällig ist zunächst einmal das filigrane Zusammenspiel, das an experimentierfreudigen Folk erinnert. Bei "My Bad Sirens" werden hingegen Referenzen an die 1970er Jahre laut, die psychoakustische Sehnsüchte ebenso bedien(t)en wie Rockphantasien. Danach wird’s opernhafter, ohne ins Pathos à la Muse zu kippen. Neben Gitarren, Keyboards und Bass kommen Streicher, Bläser und treibende Rhythmen ins Spiel, wobei Eruptives wie Überbordendes vermieden wird.

Vielleicht ist das, was Sycamore Age am ehesten mit einer Platane gemeinsam haben, sei sie nun Laub werfend oder immergrün, dass man sich an ihrer gediegenen Textur erfreuen kann.

Sycamore Age: Sycamore Age (Santeria/Roughtrade)