Pathetisch, tragisch, groß. Gerne werden im symphonischen Schaffen erklärende Attribute vergeben - je absoluter, desto wirksamer. Bisweilen schlägt dann mancher Dirigent den Hörgewohnheiten ein erfreuliches Schnäppchen.

So jüngst geschehen bei Antonio Pappanos Wiener Gastspiel mit "seinem" Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia Roma. Gehörte der Sonntagabend im Goldenen Musikvereinssaal noch Tschaikowskis "Pathétique", hatte Sir Antonio für den montäglichen Abschluss des Besuches eine Hommage an das Wiener Musikleben um 1900 im Gepäck.

Absolut will auch Gustav Mahlers sechste Symphonie sein, und mit tragischen, harten Akkorden eröffnete ebenso diese "Tragische". Als opulenter Gewaltmarsch war der Auftritt der Streicher angelegt, wobei die Holzbläser neben all der Klanggewalt bisweilen das Nachsehen hatten.

Dann der Spagat: Ja, das dramatische Element war dem Beinamen entsprechend werkimmanent, doch rang Pappano der Partitur viele erquickliche, trotz aller Wucht versöhnliche Aspekte ab. Zeitweilig lieblich gelang das Scherzo, wobei die raffinierte Verwendung der Pausen den ganzen Saal fesselte, richtige Aufreger erzeugte, bisweilen den Atem stocken ließ.

Das Finale lebte ebenso die ganze Luft des Fin de siècle. Würdig getragen erklang ein Kondukt, wieder der Gewaltmarsch, und dazwischen jede Menge fortschrittsgläubig positives Denken. Bravorufe, dankbarer Applaus.

Konzerte

Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia Roma

Antonio Pappano (Dir.)

Sechste Symphonie von Gustav Mahler

Musikverein