Düsseldorf. Etwa ein Dutzend Zuschauer haben nach der umstrittenen "Tannhäuser"-Premiere in Düsseldorf mit Holocaust- und Erschießungsszenen einen Arzt aufgesucht. Das sagte eine Sprecherin der Rheinoper auf Anfrage. Die Wagner-Oper wurde am Donnerstagabend nur noch konzertant, also mit Musik und Gesang aufgeführt. Intendant Christoph Meyer rechtfertigte vor dem Publikum erneut die kurzfristige Absetzung der Inszenierung des Regisseurs Burkhard C. Kosminski.

"Wir haben mit größter Betroffenheit darauf reagiert, dass Menschen in dieser bewussten Szene das Haus verlassen und sich zum Notarzt begeben haben", sagte Meyer. "Ich muss die menschliche Gesundheit über die künstlerische Freiheit stellen." Insgesamt hatten nach Angaben des Freundeskreises der Oper 42 Zuschauer den voll besetzten Saal während der Premiere verlassen.

Er habe zwei Stunden lang mit Regisseur Kosminski telefoniert und um die Veränderung einer besonders drastischen Szene gebeten, sagte Meyer. Dabei spielt Tannhäuser einen Nazi mit Hakenkreuzbinde, der eine Familie erschießt. Kosminski aber habe auf seiner künstlerischen Freiheit bestanden.