Montagabend und was für ein Stelldichein: Fast eine Woche lang beehrt ab sofort Preußens Gloria das Wiener Konzerthaus. Freilich sind die Berliner Philharmoniker eines der ganz großen Orchester auf dem internationalen Markt, glorreich agieren auch sie allemal.

Das bewies bereits der Auftakt zum Eröffnungskonzert dieser Personale: Pierre Boulez’ vielschichtig zu kombinierende, umherschwirrende "notations" gereichten dem komponierenden Dirigenten zur Ehre. Auch ohne sein Zutun. Vielmehr war es diesmal Sir Simon Rattle, der seine Berliner durch die fluoreszierende Szenensammlung führte. Im "Hiératique" glühte förmlich die Sonne der Sahara über den Köpfen der Konzerthausbesucher, wie bestimmt, aber auf mystische Art fesselte Nr. III "Très modéré", ebenso wie der diesmal an letzter Stelle stehende zweite Teil "Très vif" einfach spannungsgeladene Gesichter erzeugte.

Dieser Spannungsbogen wurde ebenso beim älteren Klangneuerer beibehalten: Bruckners Siebente bot dem zu Recht begeisterten Publikum die ganze Totale der Klangfülle des Komponisten. Trotz, oder gerade wegen der vorherrschenden Superlative wurde der langsame Mittelsatz weniger ein klagendes Traueradagio denn eines dieser versöhnlichen, fast erhabenen Votivbilder auf einen Heroen. Der Schlusssatz war, was er sein sollte: Ein echtes Finale, voller überzeugender Holzbläser, geradewegs perfekter Streicher, ab und zu kreativer Blechbläser und mit enorm facettenreichem Ausdruck. Rattle ließ keine Gelegenheit zu glänzen aus.