Gemäß dem französischen Philosophen Gilbert Simondon verhält sich das technische Objekt zu seinem natürlichen Milieu so, wie sich das Denken zum Lebendigen verhält. Zwar entwickle sich das technische Objekt zu seiner Umgebung evolutiv, das bedeute aber nicht, dass eine Maschine mit dem Denken oder dem Lebendigen gleichzusetzen wäre. Wo aber liegt die Grenze von Denken und dem technisch in Form gebrachten Gedachten?

Dieser Frage spürt die dänische Band "When Saints Go Machine" seit ihrer Gründung im Jahre 2007 nicht nur wegen ihres Namens nach. Bereits beim vor zwei Jahren erschienenen Vorgängeralbum "Konkylie" konnte man den Eindruck gewinnen, Sänger Nikolaj Manuel Vonsild wünsche sich, seine fragile, falsettnahe Stimme möge sich in binäre Codes verflüchtigen.

Daher überrascht es zunächst, dass "Infinity Pool" von einem Duett mit Killer Mike, einem aus Atlanta stammenden Rapper, eröffnet wird. Ein Fremdkörper, der angesichts des gesamten Albums wie angestöpselt wirkt. Die übrigen elf Stücke widmen sich dem Wechselspiel von Sakralem und Profanem, wobei sich When Saints Go Machine nicht scheuen, digitale Gefühlssimulakren zu erzeugen. Dies passt zu einer experimentellen Suche nach der Mensch-Maschine, verheddert sich jedoch melodisch manchmal in einfältigen Refrains ("System of Unlimited Love").

Bei dem Dream-Pop-Song "Iodine" ist Vonsild ganz in seinem Element. Fast Zärtlich wirkt das verhaltene "Yard Heads" - und "Degeneration" wartet mit einem desorientierenden Spannungsbogen auf. Die Dänen haben sich von tanzbaren Stücken etwas entfernt, auch wenn ihnen nach wie vor einnehmende Popsongs gelingen ("Webs"). Aber darauf konzentriert sich das Quartett nicht: Konzeptionell wurde die technische Erkundung von den Beinen in die Gehirnwindungen verlagert - und die Musik damit trotz eindringlicher Bassstrukturen ein Stück weit entleibt.

Geht der Mensch nun symbiotisch im Technischen auf oder führt das Technische noch ein Eigenleben? Diese Frage bleibt dann doch in der Schwebe.