So also muss sich Arnold Schönbergs einzig wahrer Wiener Triumph zu Lebzeiten vor 100 Jahren angefühlt haben: 1913 nahm ihm das heimische Publikum im Musikvereinssaal die gespenstische romantische Geschichte vom halbhistorischen Dänenkönig Waldemar und dem aus dem Tod seiner großen Liebe Tove resultierenden Wahnsinn dankbar ab. Auch 2013 riss das opulente Geschehen zwischen Liebe und Leid unterwegs von der in Auflösung begriffenen Spätromantik bis zu atonalen Momenten der modernen Zeiten die Zuhörer von den Sitzen: Die "Gurre-Lieder" sind wirklich packend.

Der zeitlos mächtige Charme des kantatenhaften Epos lag bei den Wiener Symphonikern unter der profunden Leitung von Kent Nagano in besten Händen; die Wiener Singakademie, unterstützt von slowakischen und katalanischen Kollegen, ließ das wilde Treiben der Mannen ebenso plastisch erstehen wie das finale Sonnengebet. Der Heldentenor von Jay Hunter Morris verlieh in bester Diktion Waldemar den nötigen Biss; seine Tovelille Angela Denoke musste man einfach liebhaben: Ihr Timbre verlieh dem ersten Teil des Abends eine souveräne Ruhe. Und was für ein trauriges Lied begann Mihoko Fujimura (Waldtaube) im Moment von Toves Tod. Albert Dohmens Bariton gestaltete von der Balkonloge aus einen soliden Bauern, herrlich skurril die Erzählung des Klaus-Narr (Kurt Azesberger). Das finale Melodram verwirklichte diesmal keine Männerstimme. So eigenwillig (und undeutlich) die intensive elektronische Verstärkung anmutete - die Rezitation von Sunnyi Melles gefiel gerade in ihrer hohen, säuselnden, unnachahmlichen Weise. Ein Fest.

Konzert

Gurre-Lieder

Von Arnold Schönberg

Wiener Konzerthaus