Bernhard Kerres beschloss seine Intendanz mit einem Dauerbrenner, der noch dazu Gelegenheit zu einem veritablen Staraufgebot gab: Am Donnerstag ging die erste von drei konzertanten Aufführungen des Orff-Schlagers "Carmina Burana" über die Konzerthaus-Bühne. Neben den effektvollen Klängen waren es dabei Namen wie Martin Grubinger oder Ferhan und Ferzan Önder, die in der Bearbeitung für zwei Klaviere und Schlagzeug für Publikumszustrom sorgen sollten. Bei aller gebotenen Qualität drängt sich jedoch der Gedanke auf, dass die simplizistische Tonsprache, die das Werk zum Lieblingsstück vieler Laienchöre werden ließ, der Akrobatik Martin Grubingers ebenso wenig bedurft hätte wie der Pianistik der Önder-Zwillinge, die sich qua Schriftzug auf ihren Kleidern mit der türkischen Protestbewegung solidarisierten.

Undankbare Höhen

Auch die Wiener Singakademie, deren Sopranistinnen noch in undankbarer Höhe souverän klangen, war mit Orffs deklamatorischem Sprechgesang gewiss nicht überfordert. Trotzdem verfügt das Werk immer noch über witzige Stellen, etwa das Trinklied "Ego sum Abbas" (kraftvoll Georg Nigl) oder den Gesang des gebratenen Schwans (herzerweichend Peter Tantsits). Bibiana Nwobilo überzeugte mit klarem Sopran, für Zusammenhalt sorgte Dirigent Gerald Wirth.

Als klug erwies sich die Koppelung mit Wolfgang Rihms Schlagzeugkomposition "Tutuguri": zwei Versuche, die Musik auf ihre (imaginären) Wurzeln zurückzuführen. Anders als Orff stellte Rihm höchste Ansprüche an Ausführende und Publikum.

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