Mit einer bezaubernden Ballade beginnt, mit einer noch bezaubernderen endet das neunte Album von Novi Sad. Wie ein guter alter Bekannter empfängt und entlässt einen der vertraute Mix aus Folkstilen verschiedener europäischer Herren Länder von einer musikalischen Reise, die behutsam ein paar bisher eher wenig erforschte Ecken erkundet: Soul etwa, ein klein wenig Funk und Gospel.

Geblieben ist der psychedelische Einschlag, welcher der Musik der Wiener Indie-Pioniere seit jeher recht gut angestanden hat, während die früher manchmal ausufernden Noise-(Jazz-)-Elemente vergleichsweise prononcierter gesetzt sind. Generell wissen die nicht immer angemessen gewürdigten Novi Sad hier ihren "experimentellen" Gestus so zu kanalisieren, dass "Almond Trees & Roses" rund und ausgewogen wie kein anderes Werk in ihrem Oeuvre gelungen ist.

Der Anteil deutschsprachiger Songs ist diesmal höher ausgefallen als auf regulären Longplayern der Band üblich, was auch daran liegt, dass der Literat Christian Schwetz etliche Texte beigesteuert hat. Mit "Bissl Leben" wagen sich Novi Sad erstmals an das Wienerlied-Genre und fabrizieren dabei ein eigentümliches Hybrid: Auf reizvolle Weise schlägt sich der gelassene, ein wenig an Pete Seegers "Turn! Turn! Turn!" oder den Doors-Song "Take It As It Comes" erinnernde Alles-zu-seiner-Zeit-Text mit dem Idiom, von dem er gleichwohl den melancholischen Appeal aufsaugt.

Mit einem Minimum an Text kommt "Sarajevo", der freistiligste der dreizehn Songs, aus. Als Kontrastprogramm schwimmt gleich danach "Rise" flott und munter auf einer Akkordeonwelle, während inhaltlich auf den Massenselbstmord der Peoples-Temple-Sekte im Jahr 1978 Bezug genommen wird. Und endlich einmal befasst sich ein Lied, nämlich die "Moritat vom Rückzieher" - wenn auch auf ziemlich rätselhafte Weise - mit etwas, das unsereinem ziemlich täglich auf den Geist geht: Ungewollte Naherlebnisse in den Wiener Verkehrsbetrieben nämlich.