Bosnian Rainbows: Bosnian Rainbows - © Clouds Hill/Rough Trade
Bosnian Rainbows: Bosnian Rainbows - © Clouds Hill/Rough Trade

Im Jänner dieses Jahres gab Cedric Bixler-Zavala die Auflösung von The Mars Volta bekannt. Grund war die Umtriebigkeit seines Kollegen Omar Rodríguez-López, der - anstatt sich gemeinsamen Projekte zu widmen - lieber mit seiner neuen Band Bosnian Rainbows tourte. Zugegeben: The Mars Volta schwächelten in den vergangenen Jahren. Insbesondere das letzte Album, "Noctourniquet", wirkte reiflich uninspiriert, sodass eine Pause der Band vielleicht gar nicht schlecht bekommt. Doch mangelnde Kreativität kann man Rodríguez-López prinzipiell nicht nachsagen. Allein in diesem Jahr veröffentlichte er bereits drei Solo-Werke und ein Album der Omar Rodríguez-López-Group, mit der er nach wie vor seine Liebe zum Jazz und Post-Rock auslebt.

Das erklärte Lieblingsprojekt des 37-Jährigen sind derzeit aber besagte Bosnian Rainbows, bei denen er sich fast irritierend zurückhält. Sängerin Teri Gender Bender, die Rodríguez-López über die Band Le Butcherettes kennen lernte und die er auch gleich für mehrere seiner Soloprojekte einspannte, irrlichtert stimmlich irgendwo zwischen einer Art "Latina Björk" und einer Debbie-Harry-Adaption im Zentrum des Albums herum. Deantoni Parks (Drums) und Nicci Kasper (Keyboards) komplettieren das Quartett.

Rodríguez-López hat bei der Entstehung der Songs - zum vielleicht ersten Mal in seiner Karriere - seinen diktatorischen Einfluss auf die Musik aufgegeben. Die Demokratisierung führt geradewegs in die späten 1970er und frühen 1980er Jahre. Die Schnörkellosigkeit des musikalischen Korsetts und die New Wave-Atmosphäre erinnern an Siouxsie and the Banshees und Blondie. Gleichwohl gibt es irritierende Störfeuer, aus denen das Album seine Spannung bezieht.

Mal ist es Parks’ Schlagzeug, das sich rhythmisch der geradlinigen Geschmeidigkeit widersetzt, mal die López’sche Gitarre, die im Hintergrund geistert. Live dürfte das Konzept ohnehin aufgehen, da das Material weitestgehend zum Schunkeln einlädt, auch wenn Gender Bender gern ein wenig von Schmerzen und Tränen singt.