Wenn Christian Gerhaher ein Liederabendprogramm zusammenstellt, hält das Liebesglück im günstigsten Fall ein paar Lieder lang an. Und wenn er sich gar auf Schumann fokussiert: dann sind’s anderthalb Strophen. Spätestens dann legen sich die rabenschwarzen Schatten auf die Seele und die Einsamkeit droht den Protagonisten schier aufzufressen. Mit "Herzeleid" ging es also am Donnerstag im Großen Saal des Mozarteums, los. Und am Ende stand "Der Einsiedler". Wie schlimm muss es sein, zu lieben! Darüber kann keine noch so laue Salzburger Festspielsommernacht hinwegtrösten.

Einen anderen Sänger gibt es vermutlich zurzeit gar nicht, der sich mit einem vergleichbaren Trantütenprogramm aufs Podium wagte. Er tut’s mit dem Wissen darum, dass ihm keiner auch nur annähernd das Wasser reichen kann, wenn es ums Ausmalen der Stimmungspallette zwischen sanfter MelancholieundabgrundtieferVerzweiflung geht. Verdruss mit Gender-Gerechtigkeit übrigens: "Wofür soll ich spinnen, ich weiß es ja nicht", singt die Maid in einem der Sechs Gesänge op. 107. Und während "der Hans und die Grete" auf der eigenen Hochzeit tanzen sucht sich "Der arme Peter" (op. 53/3) ein Erdloch als stimmungsadäquates Ruhelager. Ja freilich, die "Dichterliebe": Da hat Heinrich Heine mit der ihm eigenen Ironie vorgeschlagen, "die alten, bösen Lieder" im Riesensarg im Meer zu versenken. Und Schumann als Komponist? Gerhaher macht deutlicher, dass kein Meer tief genug ist. Genau da kommt sein Leib- und Seele-Pianist Gerold Huber ins Spiel. Lebenslänglicher Schmerz, so das Urteil des amourösen Höchstgerichts Gerhaher/Huber.

Konzert

Liederabend mit

Christian Gerhaher

Salzburger Festspiele