Der letzte Wunsch eines aufrechten Christen mit Faible für Musik? Vielleicht dieser: Der Himmelvater möge doch Elina Ga-
ranèa an den Lichtschalter stellen und sie darüber wachen lassen, dass keiner jemals wieder ihr "Lux aeterna" abdreht. Ein freundlicheres, wärmeres, durch und durch wohliges Ewiges Licht ist jedenfalls nicht denkbar, als es Elina Garanèa in Salzburg, in Verdis Requiem verströmen lässt.

Riccardo Muti also, das Verdi-Requiem, die Wiener Philharmoniker, Ferragosta und Salzburg: das zu erwartende Gesamtkunstwerk. Muti sucht nicht nach der instrumentalen Tiefenschärfe, doch vieles hat sich an diesem Abend ergeben, weil die Philharmoniker von sich aus mit kammermusikalischem Spürsinn musiziert haben.

Das Requiem war sängerisch charismatisch, bemerkenswerterweise nicht "italienisch", sondern durchwegs "slawisch-baltisch" besetzt. Wundervoll, wie die Stimmen von Krassimira Stoyanova und Elina Garanèa im Agnus Dei verschmolzen sind. Krassimira Stoyanovas Stärke sind die leuchtkräftigen Höhen. Piotr Beczala ist dem ausgeprägten Sinn für die geschmeidige Lyrik gerecht geworden, und dem Bass Dmitry Belosselskiy schienen die geschmeidigen Linien näher als das theatralisch-heftige "Mors stupebit".

Aber weil wir gerade beim Theater sind: Fürs "Rex tremendae" hieß Muti die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor (herrlich einstudiert von Johannes Prinz) nicht vorher aufstehen, sondern ließ die Mannen mit dem ersten Ton jäh aufspringen. Es muss, bei aller Schönheit, eben auch vieles Show sein zu Ferragosta.

Konzert

Wiener Philharmoniker

Riccardo Muti (Dir.)

G. Verdi: Requiem