Seine eigene Legende zu verwalten, das ist so eine Sache. Man kann sich damit eine goldene Nase verdienen, wenn man es geschäftssinnig macht wie die Rolling Stones oder Paul McCartney - man kann sich damit allerdings auch selbst demontieren. The Feelies gehören zu solch großen Bands mit pophistorischen Wegweiser-Meriten, die mit beileibe nicht schlechten Platten noch immer weitermachen und niemanden mehr interessieren. Ebenso Wire. Und leider auch Echo & the Bunnymen.

Müder Hüter des Erbes

Zwischen 1988 und 1997 sind die Bunnymen, deren neopsychedelischer Post-Punk über vier große und ein vergleichsweise mittelmäßiges Album mehrere Generationen von Nachkömmlingen wie U2, The Church, Oasis, Arcade Fire, Interpol, Coldplay oder Crocodiles beeinflusst hat, auf Eis gelegen. Seit sie - zwar ohne ihre gewaltige Rhythmus-Achse aus Schlagzeuger Pete de Freitas (1989 tödlich verunglückt) und Bassist Les Pattinson (1998 ausgestiegen), aber jedenfalls mit den beiden kreativen Köpfen Ian McCulloch (Gesang) und Will Sergeant (Gitarre) -, wieder auf Achse sind, sind die Bunnymen zu einem marginalem Phänomen geschrumpft. Obwohl alle der fünf regulären Platten aus Phase II ordentlich bis gut geraten sind, haben sie mit Ausnahme des noch bestens verkauften Comeback-Albums "Evergreen" die Hitparaden nur an den unteren Rändern gestreift oder überhaupt verfehlt. Eine gewisse Zugkraft als Live-Attraktion ist der Band noch verblieben und Vorbild-Referenzen wie in den frühen Nuller-Jahren durch Coldplay könnten sie kurzfristig noch einmal aus der Versenkung holen. Aber ein Fixplatz an vorderster Front ist bei Gott und der Vorsehung des Pop-Markts nicht mehr drinnen.

Alles, was den Bunnymen bleibt, ist es, ihr Erbe so gut wie möglich zu repräsentieren. Und das macht ihr Frontmann Ian McCulloch in Solo-Auftritten auf eine recht ergreifende Art: Meist ohne Rhythmus-Sektion, mit einem Lead-Gitarristen und bisweilen mit Streichern - jedenfalls in einem Format, das Schwächen eher herausstreicht als kaschiert. Und an diesem Mann ist alles ruiniert: die einstmals frappante Stimme ebenso wie die einstmals frappante optische Attraktivität. Wie McCulloch, nie ohne Sonnenbrille und stets eingepackt in ergrauende Behaarung an Kopf und Kinn, manchmal einfachste Töne wie in "Rust" nicht trifft und zugleich beseelt Zeugnis von einem nicht ganz unpatscherten Leben ablegt, muss nicht nur Sentimentalisten zuallertiefst berühren.

In diesem Frühjahr hat Mac, wie der Sänger gerufen wird, sein viertes Solo-Album herausgebracht. Es ist nicht ganz so großartig wie sein erster, minimalistischer Alleingang "Candleland" von 1989. Es ist aber um vieles besser als Macs andere, disparate Solo-Platten "Mysterio" (1992) und "Slideling" (2003) und solchermaßen immerhin gut genug, um wieder anerkennendes Interesse der Musikpresse zu generieren.

Das heuer erschienene "Holy Ghosts" ist eigentlich ein Doppelalbum, dessen einer Teil Bunnymen- und Solo-Songs in orchestralen Arrangements neu gesungen präsentiert.

Sakral und lyrisch

Gerade in Macs heiserer, brüchiger Intonation - ein Resultat von Drogen, Suff und Kettenrauchen - und den wahrhaft klassischen Arrangements funktionieren diese Neu-Deutungen verblüffend gut und stellen einen Interpreten aus, der mehr mit Frank Sinatra und dem frühen Scott Walker zu tun hat als mit Rockmusik, die immerhin aus der Tradition des Punk abgeleitet ist.

Nichtsdestotrotz ist der wichtigere Teil der Edition die CD "Pro Patria Mori". Sie enthält zehn Songs, von denen der etwas sakral anmutende, unglaublich kitschige und trotzdem auch dynamische Titelsong zu den allerbesten gehört, die Mac je gemacht hat. Der Grundton des formal stimmig gerahmten Albums ist leicht, von akustischen Gitarren dominiert und von den unvermeidlichen Streichern geschmackvoll dekoriert. Eine nicht unwitzige Hommage an David Bowie gehört ebenso zu den Höhepunkten wie eine durchaus altvaterische, aber eben lyrisch zwingend formulierte Bedenk-oh-Mensch-Ballade, in der Mac ätzt: "Blindes Vertrauen ist eben wirklich nur für die Blinden."