Das West Eastern Divan Orchestra bestehend aus jungen Musikern aus Israel und den arabischen Ländern gehört zu den regelmäßigen Gästen der Salzburger Festspiele. Ein Konzert von Musikern, deren Heimatländer sich ansonsten nicht immer friedlich gesonnen sind, ist immer ein politisches Manifest, besonders heuer mit einem klug zusammengestellten Programm. Die zur Eröffnung gespielte Ouvertüre zu Verdis "Les Vêpres Siciliennes" war zwar zu schwerfällig gespielt, zeugte aber von der hohen Spielkultur des Orchesters.

Solistendialoge

Höhepunkt war im ersten Teil die österreichische Erstaufführung von "Que la lumière soit" für Trompete, Posaune, Vibrafon und Orchester des jordanischen, heute in Deutschland lebenden Komponisten Saed Haddad. Er reiht kurze, mal flächige, mal clusterartige, gegensätzliche und energiereiche Sequenzen aneinander, in denen die drei Solisten miteinander oder mit den Orchestergruppen in Dialog treten.

Nach der Pause erklang als zweite Erstaufführung "At the Fringe Of Our Gaze" von Chaya Czernowin, die aus Israel stammt und heute in den USA lebt. Ihre Komposition für großes Orchester und Concertino-Gruppe ist zwar ebenfalls sequenziell aufgebaut, bewegt sich aber trotz des großen Orchesters meist nur im Piano oder Mezzoforte. Beruhigende, flächig komponierte Momente werden immer wieder durch bedrohliche Crescendi abgelöst. Zum Schluss gab es noch Wagners "Parsifal"-Vorspiel und die beiden "Meistersinger"-Vorspiele. Wie zu erwarten viel zu breit.