Aventin, der südlichste Hügel Roms, ist heute eine ruhige Wohngegend. In der Antike jedoch war er ein sozialer Brennpunkt: In diesem Stadtteil lebten die Armen und immer wieder kam es zu Unruhen. Dass nun ausgerechnet Agnes Obel an die wechselhafte Geschichte Roms erinnert, kann man mit der Kühnheit erklären, mit der sich die Dänin auf ihrem Zweitwerk inszeniert. Sie verbindet auf "Aventine" Eleganz mit Minimalismus. Lediglich mit Klavier und Cello oder Violine, Harfe oder Viola instrumentiert, webt die 32-Jährige ein tönendes Netz von schwebender Reinheit.

War der Vorgänger "Philharmonics" ein verspieltes wie intim-schüchternes Kaleidoskop, so wagt sich Obel nun aus ihrem Kokon. Die kammermusikalische Konzentration auf nur wenige Klangfarben verbirgt nichts und riskiert damit auch ein Scheitern, denn auf das überraschende Moment der Vielstimmigkeit wurde verzichtet. Die Melodien sind eingängiger geworden ("The Curse", "Run Cried The Crawling"). Trotz und wegen dieser Reduktionen präsentiert Obel dem Hörer ihre eigene Interpretation von Sphärenharmonik: den Klang sternenklarer Nächte.

Agnes Obel: Aventine. (PIAS/Rough Trade)