Ist es eine Schande, während eines Abonnementkonzerts der Wiener Philharmoniker an Fußball zu denken? Zumindest bei Anton Bruckners Fünfter Symphonie sollte diese Assoziation phasenweise erlaubt sein, immerhin hat das vielfach wiederkehrende Allegro-Hauptmotiv im ersten Satz in leicht abgeänderter Form längst Einzug in das internationale Schlachtenbummler-Gesangsrepertoire gehalten.

Wie konkurrierende Mannschaften agieren in ihrer Introduktion zudem unterschiedliche Instrumentengruppen, Holz gegen Blech und Pauke, um sich nach anfänglichem Schlagabtausch und diversen Annäherungsversuchen letztlich im Finalsatz zu einer gemeinsamen Apotheose zu erheben.

Herbert Blomstedt, in den USA geborener Schwede mit sächsischer und kalifornischer Vergangenheit, setzte in seinem ersten Konzert im Wiener Abo-Zyklus, das er übrigens aus dem Gedächtnis heraus leitete, von Beginn an auf eine klare Strukturierung des komplexen Werks und schuf mustergültige Kontraste zwischen den ausladenden Stellen und ihrer wendigen Gegenparts.

Der an militärische Strenge grenzende Charakter seines Dirigats wurde immer wieder, vor allem in den beiden Binnensätzen, von breitem Geigengesang und schwungvollen Tanzweisen durchbrochen. Einen entscheidenden Anteil am euphorischen Jubel hatten nach dem Konzert am Samstagnachmittag die Orchestersolisten, die auch bei maximaler Lautstärke eine beeindruckende Präzisionsarbeit leisteten.

Konzert

Wiener Philharmoniker

Dirigent: Herbert Blomstedt

Anton Bruckner

Fünfte Symphonie

Musikverein