Die lieben Pulsare: Der beflissene Bildungsbürger kennt sie als im Kosmos verendende Sterne. Dass deren Verglühen zu mannigfaltigen Geräuschen führen kann, durften die staunenden Besucher des Wiener Konzerthauses erfahren. Staunen machte dabei freilich auch die flächige Aufstellung der bis zu zehn Schlagzeuger des Abends. Martin Grubinger und das Percussive Planet Ensemble ließen den Stereosound von Gérard Griseys "Le noir de l’etoile" (1989) in vollen Zügen genießen: Im Rahmen einer knapp einstündigen Laufzeit und gefühlten zwölf Minuten Dauer spitzt sich der Zusammenhang von Leben und Tod zu. Spannend, wie in einer Folge aus diversen Rhythmen - vom sachten kanonischen bis hin zum Akkord-Gestöber - ein eigener Kosmos entsteht. Und irgendwie skurril, mit welcher Kraft auch das Ende einer Entität offenbar werden kann.

"Étoile" mit Stargast


Iannis Xenakis war mit "Peaux" und "Psappha" (Respekt vor Grubingers facettenreiche Darbietung) vertreten. Und dann saß da noch der große Friedrich Cerha im Konzert: Er hat dem Percussive Planet im Vorjahr "Étoile" auf den Leib geschrieben. Für die Erstaufführung beim Mitauftraggeber Wiener Konzerthaus adaptierte der 87-Jährige sein flirrendes Werk voller klanglicher Prozesse. Schlagwerker ad libitum halfen bei der Ausweitung der Perspektiven, beim Entstehen der musikalischen Skulptur. Dabei stand auch Franz Welser-Möst - einmal nicht als Dirigent, sondern Schlagwerker - mit auf dem Podium. Gegenwartskunst mit unglaublichem Spaßfaktor.