Es ist zweifellos erfreulich, dass das Wiener KammerOrchester Klassisches mit Zeitgenössischem kombiniert. Da wäre es gewiss sehr unbescheiden, noch weitere Wünsche zu äußern - zum Beispiel nach einem Zusammenhang zwischen den historischen und den aktuellen Programmbestandteilen. Der war am Mittwoch im Konzerthaus jedenfalls nicht erkennbar: Die Ouvertüre zu Haydns "Armida" realisierte das Orchester unter Joji Hattori kontrastreich und mit kräftigem Zugriff; bei Beethovens Zweitem Klavierkonzert in B-Dur verkörperte Federico Colli überzeugend das Virtuosentum des jungen Beethoven, zwei Zugaben rundeten die erste Konzerthälfte ab.

Doch warum bloß folgte darauf die Uraufführung von Johanna Doderers Auftragswerk "Die vier apokalyptischen Reiter"? Zunächst stellte sich die hierbei federführende Wiener Singakademie mit Jan Sandströms Bearbeitung von "Es ist ein Ros entsprungen" vor - eine holprige Überleitung zum religiös inspirierten zweiten Teil und für den Chor ein undankbarer Einstieg. Undankbar blieb es in Doderers endzeitlichem Chor-Orchester-Gemälde, dessen stampfendes Schlagwerk, metrische Wechsel und martialische Posaunen wir so oder so ähnlich auch schon in "Star Wars" gehört haben. Die Schwierigkeit einer fasslichen Textvertonung umging die Vorarlbergerin, indem sie Peter Matić die Worte des Evangelisten ins Mikrofon sprechen ließ. Harmonisch dominieren Mollklänge, umspielt durch illustrative Chromatik, die wohl Schmerz symbolisieren soll. Steve Reich lässt ebenfalls grüßen, und gegen Ende schaut noch Anton Bruckner vorbei. Ovationen für die Komponistin.