Der Abend begann im Geiste pianistischer Brillanz und endete bei den frenetischen Zuckungen der Holzpuppe in Strawinskys modernistischer Collage "Petruschka": Khatia Buniatishvilis Auftritt im Wiener Konzerthaus glich einem stetig crescendierenden Höllenritt, in dem die junge Pianistin weder sich noch ihrem Publikum eine Atempause gönnte. Ohne das Verebben des Applauses abzuwarten, stürzte sich die Georgierin von einem Kraftakt in den nächsten: In Chopins eigenwilliger b-Moll-Sonate demonstrierte sie neben überragender Fingerfertigkeit auch die Fähigkeit zu differenzierten dynamischen Schattierungen, in der Ballade Nr. 2 vereinte sie kantable Schlichtheit der Melodieführung mit der beiläufigen Leichtigkeit virtuoser Verzierungen.

Mit Liszts "Der Tanz in der Dorfschenke" übertiteltem ersten "Mephisto-Walzer" ging es weiter im Zeichen nervöser Feingliedrigkeit, in der die Pianistin nicht nur halsbrecherische Virtuosität bewies, sondern zwischenzeitlich Momente von wunderbarer Zartheit gewährte.

Dann Ravels "La Valse", diese kollabierenden Fassade imperialer Großartigkeit, in der die Fingerfertigkeit zum Werkzeug einer seismografischen Schilderung psychischer Regungen wird. Zuletzt stürzte sich die Mittzwanzigerin unerschrocken und mit waghalsigem Tempo in die höllisch schwere Klavierversion von Strawinskys Ballettmusik "Petruschka".

Auch wenn ihr nach wie vor der unbändige Elan eines Jungstars anhaftet, darf Khatia Buniatishvili zweifellos bereits zur Spitze gezählt werden.

Konzert

Khatia Buniatishvili (Klavier)

Konzerthaus