Weltlicher wie geistlicher Jubel hört sich ident an, zumindest bei Johann Sebastian Bach: "Jauchzet, frohlocket", singt der Chor zu Beginn - statt dem "Tönet, ihr Pauken" zum deckungsgleichen Klangbild einer Kantate für eine polnische Königin. Für sein Weihnachtsoratorium verband der Tonsetzer mehrere damals bereits bestehende Kompositionen. Ursprünglich für sechs Aufführungen konzipiert, wird dieses Werk heute zumeist zweigeteilt oder nur auszugsweise wiedergegeben.

Nicht in diesem Jahr: Unter der leidenschaftlichen Leitung des umtriebigen Erwin Ortner erklang das gesamte Werk kürzlich im Musikverein an einem einzigen Abend. Zu Gast war das experimentierfreudige Berliner Originalklang-Ensemble Lautten Compagney, das naturgemäß eine schlanke Besetzung aufbot und bei dem neben den Solo-Oboen insbesondere deren Konzertmeisterin Birgit Schnurpfeil hervorzuheben ist. Gemeinsam mit der überragend virtuosen Altistin Wiebke Lehmkuhl sorgte sie in der Arie im dritten Teil ("Schließe, mein Herze") für einen innigen Höhepunkt. Erstklassig auch die von Sunhae Im meisterhaft interpretierte Sopran-Arie der darauf folgenden Kantate ("Flößt, mein Heiland"), inklusive eines selten erreichten Echos aus dem gewohnt großartig singenden Arnold Schoenberg Chor. Auch die weiteren Solisten Werner Güra (Tenor) sowie Florian Boesch (Bass) stellten im Laufe des Abends ihre hohe Reputation unter Beweis. Geschickt unterband Ortner das Geklatsche zwischen den einzelnen Kantaten. Danach war der zweifellos weltliche Jubel umso größer.