Wien. (irr) Am 1. Jänner, sagt Clemens Hellsberg, werde ein Zuseher des Neujahrskonzerts leider etwas traurig sein: er selbst nämlich. Weil der Geiger diesmal nicht mitspielen kann. Der Vorstand der Wiener Philharmoniker ist derzeit durch einen Ellenbogenbruch verhindert, ließ es sich aber nicht nehmen, die Details zum globalen TV-Spektakel zu präsentieren. Und dabei natürlich auch den Maestro selbst - Daniel Barenboim. Die Philharmoniker verehren den argentinischen Pultstar nicht nur "als Künstler, sondern auch als Humanisten", sagt Hellsberg. Und diese Menschenfreundlichkeit steht dem kommenden Neujahrskonzert besonders gut an: Die Philharmoniker zollen dabei auch dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren Tribut, oder wie Hellsberg es sagt: der "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts.

Zu Ehren der Ehefrau

Die erste Hälfte des Programms ist dezidiert auf Barenboim zugeschnitten, der sich mit seinem West Eastern Divan Orchestra unermüdlich für Friede im Nahen Osten einsetzt. Am Neujahrstag soll unter anderem der "Friedenspalmenwalzer" ein humanitäres Zeichen setzen, den Josef Strauß unter dem Eindruck der Schlacht von Königgrätz schrieb. Ebenfalls im ersten Teil zu hören: ein Johann-Strauß-Walzer mit dem philanthropischen Titel "Seid umschlungen, Millionen". Eröffnet wird das Konzert allerdings mit einer Huldigung an den Dirigenten, oder richtiger gesagt an dessen Ehefrau Elena Bashkirova. Ihr zu Ehren erklingt die "Helenen-Quadrille" von Eduard Strauß. Im zweiten Teil kommt dann auch ein Namensvetter zu Wort, der mit der Wiener Walzerdynastie nicht verwandt ist: Der 150. Geburtstag von Richard Strauss wird mit dessen "Mondscheinmusik" (aus der Oper "Capriccio") und dem "Dynamiden-Walzer" gefeiert. Letzterer stammt zwar eigentlich von Josef Strauß, birgt aber einen melodischen Keim, den der Namenskollege dann für seinen "Rosenkavalier"-Walzer nutzte.

Barenboim, bei der Pressekonferenz ebenso voll des Lobes für das Orchester wie dieses für ihn, verhehlt zugleich eines nicht: Eigentlich habe er gezögert, die Einladung des Orchesters anzunehmen. Er hatte das Neujahrskonzert nämlich bereits im Jahr 2009 geleitet und gefürchtet, dass ein weiterer Termin nicht mehr die gleiche Magie entfachen würde. Schließlich hat er sich seinem "Aberglauben" aber doch "kämpferisch" gestellt. Diese Zusage ermöglicht ein weiteres Jubiläum: Die Philharmoniker und Barenboim, der die Wiener erstmals vor 25 Jahren dirigiert hat, feiern gewissermaßen "Silberne Hochzeit". Die Aufnahme des Neujahrskonzerts soll ab 10. Jänner im Handel erhältlich sein.

Walzer für die Fidschis

Auch ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zeigt sich erfreut: Der Sender produziert das Fernsehereignis mittlerweile zum 56. Mal, im nächsten Jahr werde die Übertragung geschätzte 40 bis 50 Millionen Menschen erreichen. Wie jedes Jahr verlängert sich dabei die Liste der Partnerländer. Unter den 92 Nationen sind diesmal auch die Fidschis, der Inselstaat Tuvalu und Palästina. Und damit sich die Weltgemeinde bereits während der Übertragung ein frohes Neues Jahr wünschen kann, bietet das Orchester über soziale Medien das Hashtag #prosit2014.

Ein weiteres Zeichen setzen die Philharmoniker durch die Zusammenarbeit mit Amnesty International: Das Orchester hat der NGO 100.000 Euro gespendet, wodurch ehrenamtliche Mitarbeiter professionell ausgebildet werden. Eine so hohe Summe, sagt Amnesty-Österreich-Chef Heinz Patzelt, nimmt die Organisation aus Unabhängigkeitsgründen selten aus. "Das tun wir nur von Partnern, die menschenrechtlich über jeden Zweifel erhaben sind."