Francesco Maria Veracini war nicht nur ein bewunderter Violinvirtuose, sondern auch ein berüchtigter Exzentriker - das qualifiziert den Florentiner zum Eröffnungskomponisten des Alte-Musik-Festivals Resonanzen, das heuer im Zeichen musikalischer "Querköpfe" steht. Wiederzuentdecken gab es seine Oper "Adriano in Siria" in einer Rekonstruktion von Fabio Biondi, der sein beweglich und kontrastreich agierendes Ensemble Europa Galante von der Solovioline aus leitete.

Interessant ist dieser archäologische Fund wegen der halsbrecherisch schwierigen Arien, die Veracini den beiden Star-Kastraten Senesino und Farinelli auf den Leib schrieb. Melodische Schönheit, um derentwillen uns heute die Musik eines Händel, Pergolesi oder Porpora noch bewegt, zählte indes nicht zu Veracinis großen Stärken. Nichtsdestotrotz dient sein vierstündiger Opernerstling als wirkungsvoller Parcours für ein Sängerensemble, das bis in die Nebenrollen exzellent besetzt war: Roberta Invernizzis Sopran und Sonja Prinas Alt besaßen die Schärfe von geschliffenen Kristallen, während Ann Hallenbergs Mezzo auch noch während der spektakulärsten Stimmakrobatik seine volltönende Wärme behielt.

Weniger athletisch, aber doch nicht unbeträchtlich war die Ausdauer, die den Zuhörern abverlangt wurde. Zwar handelt es sich bei "Adriano" wohl kaum, wie ein Zeitgenosse schrieb, um "die längste und langweiligste Oper" der Barock-Ära. Dennoch konnte das Publikum am Schluss nicht nur die Interpreten, sondern auch sich selbst dazu beglückwünschen, durchgehalten zu haben.

Oper konzertant

Adriano in Siria

Von Francesco Maria Veracini

Wiener Konzerthaus